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| "Es ist nicht allein das Anwachsen des Lehrstoffes, sondern auch die viel individuellere Erziehung, die den Lehrer vor neue Probleme stellt. Wenn diese Entwicklung nicht zu einer aussichtslosen Situation führen soll, muss ein Weg aus den Schwierigkeiten , ein vereinfachendes Prinzip gefunden werden." |
| John Dewey, 1909 |
Das Baby kommt als Homo sapiens zur Welt. Damit ist seine weitgehend durch das Erbgut bestimmte erste Phase der Menschwerdung vollzogen. Die Phase setzt sich fort, wird aber von der zweiten überlagert. Nachdem es schon ein Homo sapiens ist, muss es jetzt noch human werden. Dieser zweite Abschnitt der Menschwerdung gründet auch auf Erbanlagen, ist aber in der Ausbildung viel flexibler. Ein Weltbild wird entwickelt (bei der Geburt steht alles Kopf, ... ), eine Sprache erlernt, die Umgebung und die Gesellschaft werden erforscht, beeinflusst und verändert. Es eignet sich (hoffentlich) humane Wertvorstellungen an. Dieser Prozess beginnt am ersten Lebenstag und endet erst mit dem Tod.
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Der kleine Mensch ist vom ersten Augenblick an engagiert. Das Baby betreibt von Anfang an hochmotiviert Grundlagenforschung. Es befindet sich im Idealzustand des aktiv Lernenden ("Lerner" ist ein pedantischer Begriff). Zuerst ist es Autodidakt. Im Laufe der weiteren Entwicklung muss es von Eltern, Geschwistern, Großeltern und vielen anderen Menschen unterstützt werden. Das Verstehen von Umwelt und Sprache, das allmähliche Hineinwachsen in Sozialstrukturen, die Entwicklung von ersten Wertvorstellungen, Teilnahme an der Gesellschaft, ... müssen individuell gefördert werden.
Daher ist es trivial, dass das Kind nicht "geparkt" werden darf. Weder allein vor dem Fernseher, noch in einem Aufbewahrungs-Kindergarten, noch am Rande einer zu großen Grundschulklasse, noch in einer weiterführenden Schule, in der Fächer statt Kinder unterrichtet werden, noch an einer Universität, an der vorgelesen wird, noch in einem Beruf, der keine Freiräume zulässt, ...
Von Seiten des Kindes müssen Motivation, Intelligenz und ein gewisser Qualitätsanspruch aufgeboten werden. Die Situationen, Angebote, Zuwendungen, ... müssen auch angenommen werden. Von dem Kind, dem Jugendlichen wird erwartet, dass es / er auch tatsächlich aktiv ist, Möglichkeiten nutzt, auf andere zugeht, selbst wiederum hilft. Es sollten Freiräume für individuelle Eigenheiten gegeben werden, aber auch ein Einfügen und Mittragen der Gemeinschaft erwartet werden. Neben "Spaß" und "Geld" als Ziele sollten noch echte Wertvorstellungen herausgebildet werden.
Die Hauptaufgabe der Familie, des Kindergartens, der Schule, ... , der Gesellschaft ist es, Neugierde und Motivation nicht zu verschütten und dem früheren Autodidakten in einer schwierigen Lern- und Entwicklungsphase zu helfen, wieder zum Autodidakten zu werden. Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sollten ein Ziel verfolgen, am gleichen Projekt arbeiten: Entwicklung von selbstbewussten, emanzipierten Persönlichkeiten, die sich engagieren. "Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen."
Schule ist also weder Erfinder noch Initiator des aktiven Lernens, sondern eine Strecke weit Begleiter und Helfer. Wie also kann die Schule das momentane und das lebenslange Lernen erhalten, unterstützen und fördern?
Werfen wir zuerst einen Blick in die Zukunft. Das spätere aktive lebenslange Lernen nach der Schulzeit kann verschiedene Gründe haben:
Wenn aus diesen Gründen nach dem Schulbesuch gelernt wird, so sollten diese Antriebe auch in der Schule eine Rolle spielen, auf sie hingearbeitet werden. Ähnliche Situationen sollten in die Schule, den Unterricht transferiert werden.
Lernen lernen kann also keine Trockenübung sein, ist nicht nur für eindrucksvolle unverbindliche Vorworte, sondern muss täglicher Inhalt, selbstverständlicher Bestandteil des normalen Unterrichts sein. Das Lernen lernen kann nicht in einer Unterrichtseinheit "erledigt" werden.
Der Hessische Lehrplan für Biologie (Gymnasialer Bildungsgang) ist so konzipiert, dass das Ziel "Lernen lernen" erreicht werden kann.
Abb.: Das Schema zeigt Felder, die im Biologieunterricht abgedeckt werden sollen
"Wer oder was provoziert auf der Objektseite die Entdeckung : ein von Komplexität und Mehrdeutigkeit gereinigter Stimulus, in dem vorgezeichnete Entdeckungswege niedergelegt sind, die von Lehren namhaft gemacht werden, oder eine komplexe, viele Resonanzen weckende Vorgabe, in der sowohl Probleme (Unstimmigkeiten) wie Lösungsrichtungen und Verfahren zu entdecken sind, und zwar durch Mobilisierung von Deutungsschemata, die Diskrepanzen und Lücken als solche aufdecken ?" (Horst Rumpf)
Man übt, auf Details zu achten und "biologische" Fragen zu stellen.
Dadurch, dass immer wieder klar wird, dass Wissen unvollständig und vorläufig ist, wird zur Weiterbeschäftigung aufgefordert und angeregt.
Diese Absichten sind in dem folgenden Übersichtsbild in der linken Hälfte abgebildet.

Die Lernmethoden sollen so angelegt sein, dass die Schülerinnen und Schüler neben den aktuellen Unterrichtsinhalten auch Methodenkompetenz erwerben und das angeleitete Lernen in eine selbständiges und aktives übergeht.
Diese Absichten sind in dem obigen Übersichtsbild in der rechten Hälfte abgebildet.
Für die Unterrichtspraxis bedeutet das, dass immer wieder (kleine) Bausteine integriert sind, die dem Kennenlernen, Einüben, Erwerben, ... von fächerübergreifenden Kompetenzen dienen. Hier kann man auch auf die Arbeit aller anderen Fächer zurück greifen.
Bausteinchen können sein:
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Auch hier ist es wieder so, dass allgemeine Überlegungen und Absichtserklärungen für die Praxis wenig hilfreich sind. Bei der Vorbereitung jeder Stunde muss man sich fragen, kann ich ein kleines Bausteinchen einfügen.
Zwei konkrete Beispiele findet man auf dieser Homepageseite:
Text lesen und verstehen - http://www.bossert-bcs.de/biologie/kannibalen/kanniba.htm
Protokoll schreiben - http://www.bossert-bcs.de/biologie/wassertr/index.htm
Weitere Anregungen kann man aus den folgenden Büchern erhalten. Die Aufstellung ist unvollständig, subjektiv, zufallsbedingt.
| Hans Bernecker et al.: | Kennwort 8 (Sprachbuch), Schroedel, Hannover 1997 |
| Bertelsmann Stiftung: | Medienbildung in der Schule, Gütersloh 2001 |
| Irmtraud Beyer: | Lernen lernen, Klett, Stuttgart 2000 |
| Peter Fenske: | Das kleine Buch vom Lernen (Lernkartei), AOL, Lichtenau 2000 |
| Forum Bildung: | Lernen - ein Leben lang, 2001 |
| Forum Bildung: | Neue Lern- und Lehrkultur, 2001 |
| Friedrich Verlag: | Lernmethoden - Lehrmethoden, Jahresheft 1997 |
| Friedrich Verlag: | Lernbox Informationen beschaffen - aufbereiten - präsentieren, Seelze 2001 |
| Friedrich Verlag: | Lernbox Naturwissenschaften verstehen & anwenden, Seelze 2002 |
| Friedhelm Hülsdorff et al.: | Top-Training - erfolgreich lernen und arbeiten, Klett, Stuttgart 1995 |
| Internetseite: | http://www.ni.schule.de/~pohl/lernen/index.htm |
| Heinz Klippert: | Methoden-Training, Beltz, Weinheim 1999 |
| Heinz Klippert: | Teamentwicklung im Klassenraum, Beltz, Weinheim 1999 |
| Jörg Knobloch: | Referate halten, AOL, Lichtenau 1998 |
| Dirk Konnertz et al.: | Tschüs dann! Arbeitstechniken fürs Abitur, Kerle, München 1996 |
| Walter Kowalczyk et al.: | Erfolgreich in der Schule, Rowohlt, Reinbek 1997 |
| Wilfried Lohre et al.: | Auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 1999 |
| Hanns Reichel: | Projektunterricht, PZ-Information 8/2001, Rheinland-Pfalz |
| Ewald Terhart: | Lehr-Lern-Methoden, Juventa, Weinheim 1997 |
| Bernd Werner / DPhV: | Methodentraining, Philologenverband, Krefeld 1998 |
Falls der Unterricht erfolgreich war, sind / haben sich die Schülerinnen und Schüler durch drei in sich komplexe Fundamente auf das lebenslange Lernen vorbereitet: Dauerhafte Neugierde auf das, was die Welt bewegt, ein strukturiertes Grundwissen und eine Vielfalt von Kompetenzen.
Kompetenzen, d.h. Regeln zu folgen und über Regeln zu verfügen, sind nur im Zusammenhang mit systematisiertem Basiswiss nützlich.
Wie so Vieles in der Schule, kann auch das nur gelingen, wenn die Lehrerin / der Lehrer es selbst beherrscht.
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Februar 2003
© B.Bossert