Es gibt natürlich kein Patentrezept - aber Grundsätze, die beachtet werden sollten. Gehen Sie positiv heran. Sagen Sie sich: "Ich habe gelernt, ich habe mich gründlich vorbereitet, ... - also kann ich die Aufgaben lösen!"
Lesen Sie den Aufgabentext ganz durch. Es liegt meistens ein Experiment zugrunde. Machen Sie sich Versuchsaufbau und -ablauf klar. Fertigen Sie eine Skizze auf Konzeptpapier an und notieren Sie die wichtigsten Bedingungen.
Tier - Pflanze - Bakterien - ...
Lebewesen - Gewebe - Zelle - ...
mit O2 - ohne O2
in vivo - in vitro
...
Dieser Teil sollte knapp ausfallen, wenn es nicht ausdrücklich anders verlangt ist. Die Versuchsergebnisse sind meist graphisch dargestellt. Ein Kurvenzug ist in ein Koordinatensystem eingezeichnet.
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Beachten Sie, was gemessen wurde (Beschriftung der Achsen, Einheiten, Einteilung der Achsen, ...) und stellen Sie eine Verbindung zu Punkt 1 her.
Auf der x-Achse wird die unabhängige Variable aufgetragen; das ist der Faktor, der von dem Wissenschaftler ausgewählt und variiert und dem dann das Lebewesen ausgesetzt wurde. Auf der y-Achse wird die Antwort des Lebewesens abgetragen. Da man Gesetzmäßigkeiten gedanklich voraussetzt und nach ihnen sucht, erwartet man eine feste Beziehung (abhängige Variable) - eine Funktion (wie "funktioniert" das Lebewesen?).
Die Fragestellung weicht von der in der Mathematik ab. Dort wählt man die x-Werte "frei" aus, setzt sie in die gegebene Funktion ein und errechnet die durch sie bestimmten, generierten y-Werte. In Biologie sind x-Werte durch den Experimentator und y-Werte als Antwort des Lebewesens vorgegeben und man sucht nach den Zusammenhängen, der Funktion, dem Inneren der black box.
Ein Faktor wurde variiert, alle anderen sollten konstant sein.
Lesen Sie den Text nochmals sorgfältig, markieren Sie wichtige Stellen.
Sie müssen nämlich häufig auf zweierlei Art und Weise das (eigentliche) Problem erschließen. Zum einen müssen Sie mitgelieferte Informationen aufgreifen und mit ihrem Wissen verbinden und zum anderen den Kern der Frage erfassen.
Wenn das Problem (die eigentliche Aufgabe) in der Aufgabenstellung nicht direkt angesprochen ist ("interpretieren Sie die Versuchsergebnisse"), muss es sich aus der Betrachtung der Kurven ergeben, d.h. es gibt im Kurvenverlauf einen oder mehrere "interessante" Punkte.
Das Problem sollte nun (im Zusammenhang mit Punkt 2) schriftlich formuliert werden.
Kurvenbeschreibung und Fragestellung sollten noch keine Interpretation enthalten.
Es ist wichtig, dass Sie sich klarmachen, dass es sich hier um die Hauptphase handelt. Man kann nicht erwarten, eine Aufgabe ein- oder zweimal durchzulesen und sofort zur endgültigen Lösung vorzustoßen - dazu sind die Probleme häufig zu komplex.
Die Lösung muss erarbeitet werden.
Kann man eine Aufgabe nicht lösen, so sollte man versuchen, die Schwierigkeiten zu erläutern.
Lösungsmöglichkeiten, die man sieht, die aber (scheinbar) im Widerspruch zu einzelnen Tatsachen stehen, sollten auf jeden Fall aufgeschrieben werden. Die Bedenken gegen die Lösung sollten genannt werden.
Wenn Sie alternative Lösungsmöglichkeiten sehen, sollten Sie beide darstellen, sich dann aber begründet für eine entscheiden (die andere nicht durchstreichen).
Sie sollten keinen Lösungsansatz, keine Lösung durchstreichen, solange Sie keinen "Ersatz" aufgeschrieben haben.
Überprüfen Sie, ob Sie alle Teilaufgaben gelöst haben.
Benutzen Sie ihren gesunden Menschenverstand - "treten Sie einen Schritt zurück" und überlegen Sie, ob ihre Lösung plausibel ist.
War auch das gefragt, was Sie da beantwortet haben?
Wenn Sie jetzt noch Zusätze anbringen, sorgen Sie für eine deutliche Markierung.
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September 2003
© B.Bossert