Theorien sind nicht verifizierbar; aber sie können sich bewähren.

Karl Popper: Logik der Forschung, Tübingen 2002

 

„Eine kleine Baumschule“

 

Fünf Argumente für Darwins Baum

nach Michael R. Rose: Darwins Schatten, Stuttgart 2001

In der Biologie ist Darwins Baum ein äußerst leistungsfähiges Modell, das wenigstens in den Grundzügen den gesamten Bereich des Lebens zu erklären vermag. Dennoch ist es natürlich schwierig, dieses Modell auf irgendeine einfache Weise zu überprüfen, wie etwa die Mendelsche Genetik. Es gibt jedoch empirische Tatsachen, die durch Darwins Baum auf zufrieden stellende Weise erklärt werden.

1. Es ist möglich, bei sämtlichen Arten, die regelmäßig versteinert werden, Stammbäume auszuarbeiten.

2. Je weiter man in der fossilen Überlieferung zurückgeht (je tiefer die entsprechende Gesteinsformation liegt), desto größer ist im allgemeinen der Unterschied zwischen den fossilen Formen und den heute lebenden Arten.

3. Schlussfolgerung aus 2: Fossilien, die aus zwei aneinander grenzenden Gesteinsschichten stammen, sind mit höherer Wahrscheinlichkeit einander ähnlich als Fossilien aus weit voneinander entfernten geologischen Schichten.

4. Die Lebewesen auf einer isolierten Landmasse, wie etwa Australien, sind gewöhnlich eng verwandt mit den jüngeren Fossilien dieser Region, enger jedenfalls als mit denen entfernterer Regionen.

5. Die Embryologie hat gezeigt, dass im frühen Entwicklungsstadium Strukturen auftreten, die man zwanglos mit den evolutionären Vorfahren in Zusammenhang bringen kann. Damit soll nicht gesagt sein, dass die embryonale Entwicklung die Evolution exakt wiederholt.

Bemerkung zum letzten Punkt:

Ernst Haeckels Rekapitulationstheorie („biogenetisches Gesetz“) ist sicher überholt, die Abbildungen werden in die Nähe von Fälschungen gerückt bzw. sind Fälschungen (FAZ vom 03.01.2007 : Julia Voss: Biologie in schneidigem Kreuzritterton).
Unter 5 könnte man Atavismen und die Cluster von Hox Genen (Homeobox) anführen, die Verbindungen im Tierreich herstellen.

 

Telepolis Artikel-URL

http://www.telepolis.de/r4/artikel/22/22590/1.html

Heiße Luftsprünge der Evolution

aus : Heiße Luftsprünge der Evolution, Buchbesprechung FAZ 30.01.2006

 

Entdeckung der Evolution

aus : David Young: Die Entdeckung der Evolution

 

Der erste Stammbaum wurde von Charles Darwin, der zweite von Ernst Haeckel entworfen.

In letzter Zeit wird immer wieder diskutiert, ob ein „Baum“ eine geeignete Modellvorstellung ist. Ausgangspunkt der Diskussion war ein Buch von Horst Bredekamp. Die Grundidee wurde vorher schon veröffentlicht.

Horst Bredekamp: Baum und Überbaum, FAZ vom 02.07.2003

Horst Bredekamp: Darwins Korallen, Berlin 2005 ( * )

sehr negative Buchbesprechung
Christian Geyer: Heiße Luftsprünge der Evolution, FAZ vom 30.01.2006

positive Buchbesprechungen
Wilhelm Trapp: Darwins Vorstellung, Die Zeit vom 13.10.2005

Biologie in unserer Zeit 1/06 : Baum und Koralle

Der Kerngedanke, der dann aufgeblasen wurde, war: Die Koralle wächst irregulär, unhierarchisch, hat Querverbindungen, offene Enden und erfasst historisch die ausgestorbenen Arten: Im Korallenstock wächst neues Leben auf Totem.

Wer hätte das gedacht?

In dem Beitrag
Gould, Stephen Jay: Leitern und Kegel: Einschränkungen der Evolutionstheorie durch kanonische Bilder
in Sacks, Oliver et al.: Verborgene Geschichten der Wissenschaft, Berlin 1996

wurde das Problem schon früher erschöpfend und abschließend behandelt.


Da jeder Baum nach einem genetischen Programm wächst, ist ein Baum tatsächlich ein ungeeignetes Bild und jedem war auch ohne dieses Buch und die aufgeregten Artikel klar, dass es eine Modellvorstellung ist.

Bioinformatikern gelingt so etwas viel eleganter.

Arndt von Haeseler und Dorit Liebers: Molekulare Evolution, Frankfurt 2003 ( * )

EINE KLEINE BAUMSCHULE

Mathematiker und Biologen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem Baum. So sprechen die Mathematiker von Kanten und Knoten (abgeleitet aus der Graphentheorie), während die Biologen Äste und Verzweigungen vor Augen haben (ganz wie bei Bäumen in der Natur). Im phyologenetischen Kontext ist ein Baum (Dendrogramm) eine mathematische Konstruktion, welche die stammesgeschichtlichen Verwandtschaftsverhältnisse (Phylogenie) einer Gruppe von Lebewesen widerspiegelt.

 

        

Das Buch ist uneingeschränkt zu empfehlen!

 

 

Die Spirale, die man manchmal findet, ist sicher keine glückliche Art der Darstellung. Sie suggeriert ein Ziel, eine langsame „Höherentwicklung“, ein Hinaufschrauben ohne Sackgassen, Umwege, Seitenlinien und ohne Ende.

 

 


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Domäne  Bossert



Januar 2007
© B.Bossert