Hormonale Empfängnisverhütung beim Mann

Steuerung der Spermienbildung und "Anti-Baby-Spritze"

 

Der nachfolgende Artikel ist erschienen in: Praxis der Naturwissenschaften Biologie in der Schule 50 (2001) 3. - S. 19 - 21

1. Zur Unterrichtsstunde

Die vorgestellte Unterrichtsstunde ist für eine 9. oder 10. Klasse konzipiert und berücksichtigt ganz unterschiedliche Aspekte:

    1.1 Bau und Feinstruktur des Hodens und die Regulationskaskade mit den negativen Rückkoppelungen sind ein gutes Beispiel für die Verschränkung von Struktur und Funktion [1]. Mit Hilfe von Diapositiven (zur Anatomie, Histologie) wurde in der vorhergehenden Stunde eine räumliche Vorstellung des Hodenaufbaues erarbeitet (Kopiervorlage).

Kopiervorlage

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Arbeitsblatt

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Die Steuerung der Spermienbildung

1. Zusammenfassung von Untersuchungen der Hodenstruktur

    Wie die Untersuchung der Anatomie und des Feinbaues ergeben haben, besteht der Hoden einerseits aus Samenkanälchen und andererseits aus Zwischenzellen, Blutgefäßen, Nerven und Lymphbahnen. In den Samenkanälchen werden Spermien gebildet und transportiert.

Der Aufklärung der Strukturen folgt die der Funktion. Interpretiere nacheinander die folgenden Versuchsergebnisse (2-4) und entwickle dann in der Zusammenschau einen Regelkreis der Steuerung der Spermienbildung.

2. Die Bedeutung der Hypophyse

    a. Aus Hodengewebe kann man das männliche Geschlechtshormon Testosteron isolieren.

    b. Wird einem Tier die Hypophyse herausoperiert, werden weder Spermien noch Testosteron gebildet.

    c. Aus der Hypophyse kann man zwei Hormone isolieren, die für die Spermienbildung wichtig sind: FSH - follikelstimulierendes Hormon (Halbwertszeit 3 Stunden) LH - luteinisierendes Hormon (Halbwertszeit 30 Minuten) Spritzt man einem Tier, dem die Hypophyse entfernt wurde, FSH alleine, werden keine Spermien gebildet. Spritzt man LH alleine, wird zwar Testosteron gebildet, aber keine Spermien.

3. Die Rolle des Hypothalamus´

    a. Ist bei einem Jungen der Hypothalamus (Teil des Zwischenhirns) gestört und es wird der Stoff GnRH - Gonadotropin Releasing Hormon nicht gebildet, so kommt der Junge nicht in die Pubertät und bleibt kindlich bei Erwachsenengröße.
    b. Eine Dauerinfusion von GnRH bei einem Erwachsenen führt zu einer deutlichen Erhöhung der Konzentrationen von FSH und LH im Blut.

4. Die Regulation

    a. Ist der Testosteronspiegel (Konzentration im Blut) hoch, sind der FSH- und LH-Spiegel niedrig und umgekehrt.
    b. Bei kastrierten Tieren ist die Produktion von FSH und LH stark erhöht.

Bei manchen Männern ist die Spermienbildung reduziert oder bleibt ganz aus. Welche verschiedenen Ausfallerscheinungen könnten die Ursache sein?

5. Die "Anti-Baby-Spritze"

Seit 1987 laufen in Frankreich und einigen anderen Ländern Testreihen bei denen Männer pro Woche 250 mg Testosteron gespritzt bekommen. Überlege, wieso durch diese Maßnahme, die Spermienbildung unterdrückt wird. Da nur die Neubildung unterbunden wird, dauert es u.U. einige Monate bis das Ejakulat frei von Spermien ist.

 

Folien

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    1.3 Bei der Entwicklung des (vereinfachten) Regelkreises erhalten die Schüler einen Eindruck vom ausbalancierten Zusammenspiel der Hormone und den vielfältigen Ursachen, die einer auftretenden Störung der Spermienbildung zu Grunde liegen können.

    1.4 Bei der Erklärung der Wirkungsweise der "Anti-Baby-Spritze" [2] werden die Schüler verschiedene andere Methoden der Empfängnisverhütung ansprechen und die Vor- und Nachteile vergleichen. In diesem Zusammenhang kann man auf zwei wichtige Aspekte eingehen. Einmal die Forderung, die viele Frauen erheben, dass Männer nicht nur die Vorteile, sondern auch die Risiken der modernen Familienplanung teilen sollten und zum anderen auf den zusätzlichen Schutz vor Infektionen, den Kondome bei richtiger Anwendung gewähren.

    1.5 Ein damit eng verknüpfter Diskussionspunkt ist die Frage, ob man so schwer wiegende Eingriffe in das Hormonsystem (auch Anti-Baby-Pille) vornehmen sollte und welche Nebenwirkungen auftreten können. In diesem Zusammenhang sollte man auch auf Testosteron als Lifestyle-Droge [3] zur Stärkung der Muskel- und "Manneskraft" eingehen.

2. Die Steuerung der Spermienbildung

Im Allgemeinen erfolgt die Untersuchung der Struktur auf der einen und der Funktion auf der anderen Seite zwangsläufig parallel, wenn auch mit vielen Berührungspunkten und wechselseitigen Beeinflussungen. Untersucht man die Struktur in Einzelheiten, so erlischt oft die Funktion. Versucht man die Funktionen aufzuklären, darf man die Strukturen nicht verletzten und der innere Aufbau bleibt verborgen. Am Ende müssen die beiden Untersuchungsstränge zusammenlaufen und zu einer Gesamtvorstellung verflochten werden.
In der vorhergehenden Stunde wurde die Struktur aufgeklärt; die Ergebnisse sind auf der Kopiervorlage skizziert ist. Sie werden jetzt durch die Funktionsaufklärung ergänzt.
Die Interpretation der Versuche verlangt eine konzentrierte Mitarbeit; deshalb werden die Ergebnisse erst am Ende festgehalten. Während der Erarbeitungsphase wird ein Tafelbild entwickelt, das nur zur Unterstützung des Gedankenganges gedacht ist. Die Ergebnisse werden mit Folie 1 zusammengefasst und von den Schülern auf die Kopiervorlage übertragen.

3. Mögliche Störungen der Spermienbildung

Das Verständnis des Regelkreises kann in einer kurzen Diskussionsphase der möglichen Ursachen von Störungen der Spermienbildung überprüft und gefestigt werden. Dabei sollten jeweils Hormonbildung, Sekretion und Rezeptorseite in die Überlegungen einbezogen werden. Bei Vorschlägen von Therapiemöglichkeiten können die Halbwertszeiten berücksichtigt werden.

4. Die Anti-Baby-Spritze für den Mann

Mögliche Ursachen von Störungen der Spermienbildung waren das Fehlen von Hormonen. Jetzt erfahren die Schüler, dass die Spermienbildung auch unterbleibt, wenn ein Hormon dauerhaft in hoher Konzentration vorhanden ist.
Die Schüler äußern meist spontan ihre persönliche Einstellung zu dieser Methode der Empfängnisverhütung; dadurch ergibt sich die Gelegenheit, die Diskussion so zu steuern, dass die unter 1.4 und 1.5 angesprochenen Aspekte erörtert werden.


Literatur

[1] Gotthard, W.: Hormone - Chemische Botenstoffe. Stuttgart, Jena 1993
[2] König, U.: Jetzt sind die Männer dran. stern 06.06.1991
[3] Lacayo, R.: Are You Man Enough? TIME 24.04.2000

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Domäne  Bossert

 

Januar 2003
© B.Bossert