Das Material ist für die Jahrgangsstufen 5/6 gedacht. Deshalb wird keine vollständige Analyse des komplexen Ökosystems angestrebt – das ist zu umfangreich und auch gar nicht möglich, da noch nicht alle Aspekte (z.B. der Wanderungen) ausreichend erforscht sind. Es können aus Zeitgründen sicher auch nicht alle Materialien genutzt werden.
Die Zusammenhänge sind komplex und trotzdem schon für Kinder dieser Jahrgangsstufe gut durchschaubar. Die riesigen Herden in Bewegung und die großen Tiere der Savanne motivieren.
Die Anordnung des Materials legt einen möglichen Ablauf nahe. Die Unterrichtsstunden müssen selbst geplant werden; eine Verbindung mit dem Erdkundeunterricht bietet sich an.
Den besten Eindruck erhält man durch Ausschnitte aus einem der Filme:
Serengeti darf nicht sterben von B. Grzimek (Produktionsjahr 1959)
Serengeti von R.Radke (Produktionsjahr 2010)
Ersatzweise:
Filme auf YouTube, Google Bilder – Serengeti Tierwanderung oder einen Abschnitt aus B. und M. Grzimeks „Serengeti darf nicht sterben“ (siehe Literatur).

Wie groß ist die Gnu – Herde?
Kann man die Tiere zählen?
Reicht das Futter für die vielen Tiere?
Wo liegt die Serengeti?
Wie hat man die Wanderwege festgestellt?
Kann man die Wanderungen verfolgen? Welche Wegstrecke wird zurückgelegt?
Welche Tiere leben dort?
Wie kann man Tiere / Säugetiere wiedererkennen?
…
Einige wenige Ausgangsfragen reichen aus – bei der Untersuchung stellen sich weitere.


Peters Weltatlas – die wahren Proportionen der Erde
Alle Geländekarten haben den gleichen Maßstab, die neuartige „Peters-Projektion“ erlaubt, die wirklichen Größenverhältnisse unmittelbar abzulesen
Einige der Tierarten der Serengeti kann man in Zoos sehen und beobachten.
Im Museum Koenig in Bonn ist ein eindrucksvolles Diorama einer afrikanischen Savannenlandschaft aufgebaut.
Die Konzeption geht auf Prof. Dr. Clas Michael Naumann (Direktor 1989 – 2004) zurück; aus dem Panorama kann ein Beispiel aus „Unser Blauer Planet – Leben im Netzwerk“ für die Savanne entwickelt werden.

Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig http://www.museumkoenig.de/
Der Besuch der Ausstellung ist für Kinder und Erwachsene ein nachhaltiges Erlebnis.
Eine Exkursion ist sehr empfehlenswert. Die nachfolgenden Bilder können Sie hier auch vergrößern.
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„In der Savannenlandschaft im Museum Koenig <leben> etwa achtzig Tierarten. Wie in der echten Savanne in Afrika tragen die Tiere keine Namenschilder, aber mit Hilfe dieses Bestimmungsbuches können Sie herausfinden, welche Arten hier zu sehen sind.“

Viele Exemplare des Bestimmungsbuches liegen in der Halle zur Benutzung bereit. Die Namen herauszufinden motiviert, verlangt genaues Hinschauen und führt zur Entdeckerfreude.
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Die Gnus wurden von Oliver Bossert in Afrika aufgenommen.

Die Zahl der Tiere lässt sich nur vom Flugzeug aus bestimmen – siehe:
http://www.bossert-bcs.de/biologie/einfue5/index.htm
dort Kapitel „Tiere benennen und zählen“
Die fünf Arten bilden die größten Herden der in der Serengeti grasenden Tiere.
Körpergewicht in kg; ein Quadrat steht für 10.000 Tiere
aus: Bell, Richard H.V.
Tiere in der Serengeti
aus: Mari, Carlo und Croze, Harvey: Auf der Spur des Wassers, München 2000
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Wichtigste Wanderer Streifengnu Thomsongazelle Zebra Elenantilope |
1.300.000 360.000 191.000 12.000 1.863.000 |
| Ortsfeste Tiere Topiantilope Impala Büffel Grantgazelle Kongoni Giraffe Warzenschwein Hirschantilope Elefant |
95.000 76.000 46.000 26.000 14.000 9.000 6.000 2.000 2.000 276.000 |
| Gesamtzahl | 2.139.000 |

Mit dem Ende der Rinderpest konnten sich die Gnubestände erholen
aus: Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF Gorilla):
Die große Wanderung, 2/2009
Die Darstellung der Populationen über die Jahre erlaubt eine genauere Interpretation (Kapazitätsgrenzen, Schwankungen um einen Mittelwert, mögliche Konkurrenz,
Genauigkeit der Werte usw.).

aus: Beech, Hannah and Perry, Alex
siehe auch: http://www.bossert-bcs.de/biologie/rhinocerus/index.html
In der Liste wurden schon Tiere mit festem Revier von solchen, die wandern unterschieden.

Ein bestimmter Geländestreifen (3,000 yards long and half a mile wide) der westlichen Serengeti wurde über mehrere Jahre beobachtet.
aus: Bell, Richard H.V.
Die Interpretation der Beobachtungsergebnisse im Zusammenhang gibt Antworten auf viele Fragen und führt aber auch zu neuen Fragestellungen.
Wie stellt man fest, dass die Herden wandern und welchen Weg sie nehmen?
Besteht eine Konkurrenz?
Hat die Reihenfolge eine Bedeutung? Findet die Thomsongazelle noch Futter?
Wieso „wissen“ die Tiere, dass das Gras gerade jetzt im Westen hoch gewachsen ist?
Wie orientieren sie sich?
usw.


aus: Mari, Carlo und Croze, Harvey


Die nördliche Serengeti ist charakterisiert durch viel Regen und hohe Grasarten (bewaldete Steppe).
Im Süden (plains) fällt wenig Regen und die Gräser bleiben niedrig (Kurzgrassteppe).
Die Niederschläge und die Graslänge im Westen liegen im mittleren Bereich.
Fallen viele Niederschläge (März bis Mai) halten sich die Herden im Süden auf.
Dann (frühe niederschlagarme Zeit) findet man sie im Westen und später (Ende der Trockenzeit) im Norden.
aus: Bell, Richard H.V.
Bedenkt man die riesige Zahl der Tiere, sind die Vorteile der Wanderung und auch der Wegführung einsichtig. Den Vorteilen stehen aber auch Nachteile gegenüber: Anstrengungen und Gefahren (Flüsse, Krokodile).
Zusätzliche Belastung – Fortpflanzung und Kämpfe um Weibchen
„Im Januar oder Februar bringen rund 400.000 Gnukühe innerhalb von drei Wochen ihre Kälber zur Welt. Zwar sind die neugeborenen Gnus bereits zwei bis drei Minuten nach der Geburt auf den Beinen und laufen nach einer Viertelstunde im Galopp neben ihrer Mutter her, dennoch sind sie überaus gefährdet durch Räuber …“
Wie findet das Kalb seine Mutter? Wie findet das Muttertier sein Junges?
Genauere Analysen zeigen auch eine vertikale Zonierung:

Findet man Hügel in der Savanne, so hängt hier die Graslänge davon ab, wie schnell das Regenwasser abläuft.
Beobachtet man Zebras, Gnus und Thomsongazellen beim Fressen und untersucht die Mageninhalte, so stellt man fest, dass kaum Konkurrenz besteht und die Reihenfolge, in der die Tiere grasen, von Bedeutung ist.
Die Zebras fressen die Spitzen der Gräser mit den Samen, die Gnus weiden die Blätter der Gräser ab und legen damit die niedrige Krautschicht frei, von der die Thomsongazellen leben.
siehe auch: http://www.bossert-bcs.de/biologie/modellrind/index.htm
Sind Sträucher und Bäume vorhanden, so findet man eine weitere Art der Konkurrenzvermeidung, bei der die Körpergröße eine Rolle spielt.
„Die kleine Windspielantilope gelangt auch im dichten Dickicht an ihre Nahrung. Sie erreicht die untersten Blätter bis zu einem halben Meter Höhe. Kronenducker und Buschbock fressen Blätter in einer Höhe von etwa einem Meter. Die Giraffenhalsantilope stellt sich auf ihre Hinterbeine und findet so Nahrung bis in einer Höhe von 2,5 Metern. Bei den Giraffen gibt es die vertikale Zonierung sogar innerhalb der Art: Obwohl sich die Körpergrößen der Geschlechter kaum unterscheiden, äsen die Bullen in großen Höhen bis zu 6 Metern. Die Kühe indessen bevorzugen Blätter in einem Niveau von 2 Metern.“
Die einzelnen abiotischen und biotischen Faktoren (Niederschläge, Pflanzenarten und Pflanzenwuchs, Räuber / Beute usw.) lassen sich zu kleinen Netzwerken verbinden oder zu einem großen.
Dieser Punkt leitet dann schon zum nächsten über.
Hier bietet sich die Arbeit in Gruppen an und es gibt die Möglichkeit, kleine Referate zu halten.
Savanne im Netzwerk
Desertifikation
Ackerbau
Beweidung
Holzschlag
Landnutzung
Wildtierprodukte
Elfenbeinhandel
Trophäenjagd
Buschfleisch
Jagd

Bisher gibt es nur Schotterstraßen; jetzt ist eine Schnellstraße geplant.
Literatur
Beech, Hannah and Perry, Alex: Rhinos at Risk, Time, June 13, 2011
Bell, Richard H.V.: A Grazing Ecosystem in the Serengeti, Scientific American 7/1971
Grzimek, Bernhard und Michael: Serengeti darf nicht sterben, Berlin 1968 (Erstauflage 1959)
Mari, Carlo und Croze, Harvey: Auf der Spur des Wassers, München 2000
Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF Gorilla): Die große Wanderung, 2/2009
Mitteilungen der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF Gorilla): Ein Straßenbauprojekt gefährdet die weltberühmte Tierwanderung, 2/2010
Peters Weltatlas, Potsdam 2010
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig: Museumsführer, Bonn o.J.
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig: Savanne – das wechselvolle Paradies, Zoologisches Bestimmungsbuch, Bonn o.J.
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16. Juni 2011
© B.Bossert