Lernen an Stationen

 

Andreas Schiebel hat auf seiner Seite http://home2.vr-web.de/~kroll.schiebel/ eine schöne Übersicht über Lernzirkel im Biologieunterricht gegeben (zuletzt besucht September 2004).

"Lernen an Stationen" als Methode steht im Widerspruch zu problemorientiertem Lernen oder zum forschend - entwickelnden Unterricht.

          

Steht am Anfang ein Problem, das ideenreich gelöst werden soll, so sind Denken und Handeln trotz aller Verzweigungen, Sackgassen und möglicherweise sehr verschlungener Pfade letztendlich zielorientiert und linear ausgerichtet.

Ein solches Vorgehen kann nicht in einen Kreisverkehr überführt werden, für den gilt: Zahl der Stationen = Zahl der Startpunkte

Übergeordnetes Ziel jedes naturwissenschaftlichen Unterrichts ist es, die Schülerin und den Schüler zu selbständigem problemlösendem Arbeiten zu befähigen. D.h. bei allen Methoden sollte man bedenken, dass sie nur Mittel zum Zweck sind und nicht Selbstzweck.

Wenn "Lernen an Stationen" also als Methode prinzipiell für Unterrichtseinheiten ungeeignet ist, kann man sie trotzdem in speziellen Fällen erfolgreich einsetzen. Man kann die Methode nutzen, einzelne Punkte oder Seitenzweige des Denkweges zu illustrieren, zu erweitern, zu vertiefen.

Voraussetzung ist immer, dass ausreichend viele inhaltlich gleichwertige Stationen mit attraktiver Ausstattung zur Verfügung stehen (Gruppengröße) und dass die Stationen zeitlich ausgewogen genutzt werden können (die langsamste Gruppe gibt das Tempo vor).


Beispiele:

1. Problemstellung / Motivation für kleine Projekte

Im Wahlpflichtunterricht Biologie der Klassenstufe 10 ist es möglich, kleine Projekte durchzuführen. Am Beginn des Halbjahres wählen die Schülerinnen und Schüler aus oder entwickeln eigene Ideen.
Es waren kleine Experimente zu den folgenden Themen aufgebaut; Kurzanleitungen lagen dabei. Die Versuche konnten variiert und erweitert werden.
           - Verschmelzung von Bildern
- Nachbilder
- Farbenblindheit
- Hermannsches Gitter
- Pulfrich Pendel
- Muller Lyer Täuschung

In dem folgenden Unterrichtsgespräch wurden die einzelnen Ergebnisse den entsprechenden Stationen der Reiz-Reaktions-Kette zugeordnet und diskutiert, welche weiterführenden Untersuchungen möglich wären.
Danach bildeten sich Gruppen, die mit der Projektarbeit begannen.
Im Laufe der Arbeit zeigte sich, dass auch vermeintlich kleine und einfache Vorhaben ihre Tücken haben und die Schülerinnen und Schüler erhielten einen kleinen Einblick in das selbständige Experimentieren. Da die Versuche nicht in dem wünschenswerten Umfang reproduziert werden konnten, liefern die Ergebnisse nur erste Hinweise. Die Protokolle sollten auf Diskette abgegeben werden.


2. Geräte der Hilfswissenschaften, Arbeitstechniken : Trennmethoden

Trennmethoden spielen in der Biologie eine große Rolle. Eine Reihe von Demonstrationsexperimenten soll die einzelnen Arbeitsweisen und das Funktionsprinzip verdeutlichen.

Trennmethoden:
          - verschiedene Löslichkeit in unterschiedlichen Lösungsmitteln, Filtration - Zenrtifugation
- Dichtezentrifugation
- Elektrophorese
- Dialyse

Der Aufwand für die einzelnen Experimente ist so gering, dass jeder Arbeitsplatz zweimal aufgebaut werden kann.
Die Stationen werden von Zweiergruppen durchlaufen. Der Versuchsaufbau wird mit einer Digitalkamera aufgenommen. Es werden Kurzprotokolle angefertigt.


3. Illustrationen, Zusatzinformationen, Erweiterungen, Vertiefungen, Anregungen zur Weiterarbeit zu Hause>

Am Ende des Kurses Zellbiologie, der allgemeine Grundlagen vermittelt, ist ein Gesamtüberblick über das elektronenmikroskopische Bild der Zelle, Struktur und Funktion der Organellen wünschenswert.
So entstehen gleichzeitig ein Über- und ein Ausblick.
Die einzelnen Gruppen hatten den Auftrag, aus dem Internet Abbildungen zu einer Organelle herunterzuladen, die im Gesamtblick einen guten dreidimensionalen Eindruck ergeben. Die Funktion(en) sollten nur genannt werden, da sie zum größten Teil in den folgenden Kursen erarbeitet werden.

 

 

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Domäne  Bossert



updated September 2004
© B.Bossert