Tut endlich was!

Die stürmische Entwicklung von Informationswissenschaft und Technik allgemein (beide Gebiete basieren auf Mathematik und den Naturwissenschaften) haben die Globalisierung ermöglicht und werden durch sie wiederum beeinflusst und vorangetrieben.

Die Anwendungen haben zu steigender Komplexität in vielen Lebensbereichen geführt. Ein komplexes System enthält viele Parameter, die alle bedacht werden müssen - die Fehlerquellen sind vielfältig.

Man muss rennen, um seinen Wisasensstand nur zu halten.
Man muss rennen, um seinen Wissensstand nur zu halten.

Skepsis und Bedenken gegen Naturwissenschaften und Technik sind angebracht und ganz normal - jeder sollte alle Vorgänge, die die Gesellschaft als Ganzes betreffen, kritisch prüfen. Laufende Kontrollen und Korrekturen sind unverzichtbar. Eine pauschale Ablehnung ist allerdings nicht möglich; zu sehr sind wir von technischen Einrichtungen abhängig und alle anstehenden großen Probleme lassen sich nur mit Naturwissenschaften und Technik lösen.
Perutz, Max F.: Ging´s ohne Forschung besser? Stuttgart 1988

Anhäufung und Verfügbarkeit von Wissen treiben die Entwicklung von Mathematik, Naturwissenschaften und Technik immer weiter an. In rascher Folge werden Modelle entworfen, mit denen man hofft, sich der Wahrheit immer schneller anzunähern.
Die Gesellschaft nutzt die neuen Möglichkeiten und wird dadurch beeinflusst. Die Bereitstellung von ungeheuren Geldmitteln durch Kauf (Handy) oder aus Steuergeldern (CERN) bewirkt eine weitere Beschleunigung.

Wissen

Aus der exponentiellen Steigerung der Entwicklungsgeschwindigkeit (z.B. Mooresches Gesetz) ergibt sich automatisch die Notwendigkeit zum lebenslangen Lernen. Da dieses lebenslange Lernen gar nicht oder nur unzureichend durch Institutionen organisiert, unterstützt oder gefördert wird, wäre es gut, alle Jugendlichen zu befähigen, das selbst mehr oder weniger gut zu leisten. Diese Überlegungen führten zu den Bildungsstandards.

Die Schule und alle Beteiligten sind in die Entwicklungen eingebettet. Die Dynamik der beiden stark vernetzten Entwicklungswege führt dazu, dass nicht nur die möglichen fachlichen Inhalte, sondern auch die Anforderungen an die Auswahlkataloge und Schwerpunktbildung für den Unterricht stark im Fluss sind.

Aus den drei gelb markierten Bereichen müssen Inhalte ausgewählt werden (Didaktik), die dann im Lernraum be- und erarbeitet werden (Methodik). Aus Teilen der Fachwissenschaften und aus herausdestillierten gesellschaftlichen Anforderungen (zwei Klippen) muss eine stimmige Synthese versucht werden.

 

Auswahl der Inhalte

Dieser Aufgabe widmen sich zu wenige und eine breite Diskussion findet nicht statt.
Ziel des Biologieunterrichts sollte es sein, naturwissenschaftliche Wissenskonzepte und ein Verständnis der naturwissenschaftlichen Prozesse an Problemen aus dem Lebensraum der Jugendlichen und den Zukunftsproblemen der Gesellschaft zu entwickeln.
Die bisher entwickelten Standards sind allerdings zu simpel und blenden meist das Fachliche zu stark aus.

Sollen die Jugendlichen tatsächlich politisch verantwortungsbewusst handeln können, müssen sie Grundlagen und Zusammenhänge verstanden haben. Es kann nicht sein, dass der komplexen Lebenssituation ein simpler Unterricht gegenübersteht.

BBC Exklusiv: The President´s Guide to Science, Vox vom 29.10.2008
FAZ vom 29.10.2008: „Die Botschaft sollte sein: Ihr wisst nun worum es geht, also seht hin.“

 

Kompetenzbereiche

Das Fachwissen soll als strukturiertes Verständnis - durch die Zuordnung von Begriffen und Theorien zu Basiskonzepten - eine zielgerichtete Anwendung von Wissen ermöglichen.

Die Erkenntnisgewinnung erfasst alle erkenntnisbringenden Aktivitäten, insbesondere naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen. Diese werden mit experimentellen Untersuchungen eng verknüpft, um auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Theorien und Modellen Phänomene zu deuten.

Der Kompetenzbereich der Kommunikation wird im Sinne der Darstellung und Auswertung von Information verstanden und ist von fachbezogener Begrifflichkeit geprägt. Hierunter zählen alle Tätigkeiten, die zum direkten oder indirekten Informationsaustausch führen (z.B. Gespräch oder Plakat).

Jeder Kommunikation von Wissen liegen persönliche Einschätzungen zu Grunde. Bei der Bewertung werden fachliche Sachverhalte unter gesellschaftlicher Perspektive eingebracht, vernetzt und individuell beurteilt.

Paunowa, Raliza: Erproben eines basiskonzept- und kompetenzorientierten Unterrichts im Fach „Naturwissenschaften“ in einer 5. Klasse, Berlin 2006

Inhaltliche und handlungsorientierte Dimension sind perfekt aufeinander bezogen. Das große Ziel sicheres Wissen und Nichtwissen (Lücken oder prinzipielles Nichtwissen) klar zu unterscheiden kann erreicht werden.

Anregungen zu einem solchen vernetzten Unterricht findet man unter:

http://www.bossert-bcs.de/biologie/experiment/index.htm
http://www.bossert-bcs.de/biologie/standards/index.html

http://users.skynet.be/sofysica/PDFmap/Misconceptions%20english.pdf
http://users.skynet.be/sofysica/PDFmap/Woudschoten%20misconcept%2016-12-06.pdf

 

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Wege zum Wissen

Es laufen drei Prozesse parallel, wenn auch zeitlich versetzt nebeneinander ab.

Prozrsse

Wie ich schon wiederholt dargestellt habe, kann die Fachwissenschaft nicht ohne wesentliche Umstrukturierung und neuen Akzentsetzungen für den Unterricht übernommen werden.
siehe : http://www.bossert-bcs.de/biologie/effizienz/index.htm

Die Mindestanforderungen an die Lernprozesse und damit die Methodik sind: Es muss sich ein (Welt-) Bild der jeweiligen Naturwissenschaft ergeben (Bildung!) und es müssen die naturwissenschaftlichen Denkprozesse verstanden werden - der Weg ist das Ziel!

Es gibt nicht die Lernwelt, jeder lebt in einer persönlichen, die variabel in der Zeit ist. In einem hochkomplexen System (Klasse) sollen hochkomplexe Inhalte (Funktion der Welt, Werte) erarbeitet werden. - und das wird dann noch durch hochkomplexe Außensysteme beeinflusst. Eine Vorstellung soll die folgende Darstellung vermitteln.

Lernraum

Schülerinnen und Schüler, Eltern, die ganze Gesellschaft haben vor allem den Lernraum im Blick - er ist die Schule. Auf ihn blicken Medien und Politik, an ihm wird herumexperimentiert.
Man beschäftigt sich nicht mit Inhalten, nimmt sie auch höchstens am Rande wahr, sondern konzentriert sich auf Vermittlungsmethoden - das ist auch einfacher. Jeder Außenstehende

Lernraum + Wissen

ist ein Bescheidwisser; Methodenlernen wird zum Selbstzweck, die Inhalte werden verschüttet.
Der Unterricht wird zum Kindergeburtstag.

An dem weitgehend inhaltslosen Aktionismus und den geringen Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler krankt das Unternehmen „naturwissenschaftlicher Unterricht“.

Alle wohlmeinenden und teuren Hilfen und Angebote von Stiftungen, Instituten und der Industrie helfen ein Zerrbild der Naturwissenschaften zu vermitteln und Jugendliche damit anzulocken. Diese meinen dann Naturwissenschaften verstanden zu haben.
Der steigende Bedarf an Naturwissenschaftlern und Technikern lässt sich so nicht decken - die Abwahl erfolgt dann in der ersten Woche an der Universität.

Der Unterricht wird nicht durch inhaltsleere Methodeneinübung besser, sondern nur durch eine Besinnung auf die Grundstruktur der Inhalte.

 

Tut endlich das Richtige!

 

 


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November 2008
© B.Bossert