Verhaltensanalyse

Unter der folgenden Adresse wurden die Schwierigkeiten dargestellt, die alleine schon bei einer Beobachtung und der Beschreibung des Verhaltens eines Tieres auftreten können.

http://www.bossert-bcs.de/biologie/verhalten/verh.htm

Erwin Panofsky hat sich die in der Tabelle zusammengestellten Deutungsebenen eines einfachen menschlichen Verhaltens als Analogie zur Ikonographie von (alten) Bildwerken ausgedacht.

Erwin Panofsky: Zum Problem der Beschreibung und Inhaltsdeutung von Werken der bildenden Kunst
Erwin Panofsky: Ikonographie und Ikonologie
beide in: E. Kaemmerling (Hrsg.): Bildende Kunst als Zeichensystem Band 1, Köln 1979

Vollzieht man seine schrittweise entwickelten Überlegungen (die dritte Spalte wurde von mir ergänzt) nach, so lernt man Stufen in dem ja sonst nur als Gesamtwahrnehmung empfundenen Eindruck kennen.

Zwei Überlegungen verdeutlichen die Probleme, die bei Verhaltensanalysen bei Tieren auftreten:

- Wie würde ein australischer Buschmann oder ein alter Grieche das Verhalten deuten?
- Kann man die einzelnen Phasen zur Deutung tierischen Verhaltens nutzen?

Man erkennt leicht die Gefahren, die lauern und wie grundfalsch ein vermenschlichender Ansatz ist.

 

Erwin Panofsky: (Be-)Deutung eines Verhaltens

Ein Bekannter grüßt
auf der Straße durch
Hutziehen

Formale Beschreibung: Veränderung von Einzelheiten (Farben, Linien, Körpermuster) innerhalb einer Konfiguration – im strengen Sinn praktisch unmöglich

Sinneseindruck, Abbildung auf der Retina, „Pixel“ entstehen

Im Sehnerv wird das Ergebnis einer Verrechnung weiter geleitet,
im Gehirn erfolgen einfache Bearbeitungen (z.B. Bildumkehr) automatisch
Sichtbares Ereignis

Tatsachenbedeutung:
Formen werden als Gegenstand identifiziert: Bekannter, Hut, …

Wahrnehmung Stufe 1 – Identifikation („Gestaltpsychologie“, erlernt)

Primäre, natürliche Bedeutung, die auf Erfahrung zurück geht

Veränderungen (Mimik, Gebärden) werden als Handlungen interpretiert – die ausdruckhafte Bedeutung wird als bestimmte Stimmung / Gefühl erkannt.

Wahrnehmung Stufe 2 – Einfühlung (angeboren und erlernt)

Erkenntnis wird aus dem Wissen über die Welt der Bräuche und kulturellen Traditionen (Rittertum) einer bestimmten Zivilisation abgeleitet, in die praktische Handlung „Hutziehen“ ist die Absicht „höfliches Grüßen“ integriert

Wahrnehmung Stufe 3 – Verrechnung mit gespeichertem Wissen (Sozialisation, erlernt)

Sekundäre, konventionale Bedeutung, wurde intellektuell vermittelt – wenn es sich um die eigene Zivilisation handelt, könnte sie auch durch operante Konditionierung erworben sein

Dem Bekannten ist die Bedeutung auch bewusst - aus der Einzelbeobachtung kann eine Hypothese zur Grundeinstellung des Mannes (Epoche, Nationalität, Klasse, intellektuelle Tradition, … kurz seine Persönlichkeit) aufgestellt werden

Wahrnehmung Stufe 4 – synthetische Intuition, hypothetisch, die durch weitere Beobachtungen in anderen Situationen bestätigt werden müsste

Eigentliche Bedeutung

 

 

zurück zu Unterrichtsbeispielen zum  Anfang
Domäne  Bossert



Januar 2008
© B.Bossert