Arbeitsvoraussetzungen schaffen

Allgemeine Voraussetzungen

Eine positive Grundeinstellung und Erwartungshaltung sind für die Motivation des Kindes und seiner Arbeit in der Schule hilfreich, wenn nicht gar Voraussetzungen. Gefördert wird diese Haltung durch Zuneigung, Interesse und Lob sowohl von Seiten der Familie als auch der Schule. In die Schule gehen, die Hausaufgaben machen, Lesen sind für das Kind anspruchsvolle Arbeiten und sollten auch so angesehen und gewertet werden.

Ein eigener Arbeitsplatz und anhaltendes Interesse an dem, was es in den einzelnen Fächern gemacht und gelernt hat, motivieren das Kind. Die Eltern sollten neugierig sein und an dem neuen Wissen teilhaben. Diese Anteilnahme sollte keine Kontrolle sein; Hilfen sollten sich auf zurückhaltende Hinweise beschränken.

Bei diesen Gesprächen sollten die Eltern eine positive Einstellung zu Schule und Lehrern zeigen und auch bei Problemen durchhalten. Abfällige Bemerkungen über Lehrerinnen oder Lehrer und Kritik an dem Unterricht sollten dem Kind gegenüber nicht geäußert werden, da es die Arbeit des Kindes sehr erschwert. Schule und Lehrern gegenüber sollten Zusammenarbeit und auch konstruktive Kritik gepflegt und gefördert werden. Von Seiten der Schule können Zuneigung, Interesse und Lob erwartet und auch eingefordert werden, Unklarheiten oder Probleme im Zusammenhang mit dem Unterricht oder der Umsetzung des Lehrplans sollte man sich erläutern lassen. Zu aufgetretenen Problemen sollte es Pläne und Konzepte zu Lösungen geben.

Gemeinsame Unternehmungen der Schülerinnen und Schüler außerhalb des Unterrichts (Ausflügen, Besichtigungen, Museumsbesuche, ...) erleichtern den Kindern die Bildung einer guten Klassengemeinschaft. Frühzeitiges Kennen lernen der Eltern und Lehrerinnen und Lehrer bei Elternabenden, Ausflügen, Stammtischen erlauben es, Probleme frühzeitig und unaufgeregt zu besprechen und zu lösen.

Welche Schwierigkeiten heute entstehen können, beschreibt der folgende Abschnitt.

Andreas Kilb : Das Ende der Kindheit - FAZ vom 12.08.2005

... melden Schulärzte, sie hätten immer öfter mit Fünf- und Sechsjährigen zu tun, die sich nicht selbst die Schuhe binden, keine Schere und keinen Stift halten, keinen zusammenhängenden Satz sprechen könnten. Dabei handelt es sich durchaus nicht ausschließlich um "Migrantenkinder", sondern zunehmend auch um deutsche Kinder aus jenen Bevölkerungsschichten, an denen die Segnungen der Globalisierung vorbeigehen. Und was auf den ersten Blick wie ein sozialplanerisches Problem aussieht, das mit höheren Bildungsbudgets, durch mehr Lehrer, Hortplätze, Schulstunden in den Griff zu bekommen wäre, rührt in Wahrheit an den Kern des gesellschaftlichen Lebens, an den Daseinsgrund der Familie und die Erfahrungswelt des Ichs.
Denn die Veränderung, die durch den Einzug der audiovisuellen Medien, des Personalcomputers, der elektronischen Spiel- und Abspielgeräte in die Wohn- und Kinderzimmer stattgefunden hat, ist nicht im entferntesten begriffen worden. Die Digitalisierungswelle, die seit Anfang der neunziger Jahre alle privaten Lebenswelten erfasst, hat Eltern wie Kinder gleichermaßen überrollt, nur dass letzteren die Schutzmechanismen fehlen, mit denen sie sich gegen den Ansturm künstlicher Welten und simulierter Erfahrungen wehren könnten. So ist unmerklich ein neuer Typus des Kleinkinds entstanden, das seine Kindheit vor dem Bildschirm verpasst. Jene autistische Asozialität, jene Unempfindlichkeit für die Wünsche und Schmerzen anderer, jene Kompromiss- und Kommunikationsunfähigkeit, von der immer mehr Grundschullehrer berichten, ist kein individuelles, sondern ein allgemeines, schichtenübergreifendes Syndrom. Es hat mit der Zerstörung von Kindheitsräumen zu tun, mit dem Verschwinden von Parks und Spielplätzen als Orten sozialer Interaktion, mit der Verdrängung sinnlich-konkreter durch rein optische und imaginäre Reize. Dass Kühe nicht lila sind, wie es die Schokoladenwerbung behauptet, kann man bei einem Ausflug aufs Land leicht feststellen, aber jenes frühkindliche Realitätsdefizit, das durch den Mangel an Spielkameraden, Naturerlebnisse und körperliche Bewegung bei gleichzeitiger elektronischer Überversorgung entsteht, lässt sich durch schulisches Lernen nicht mehr beheben. Die kinderlose Gesellschaft ist dabei, eine Generation von kindheitslosen Kindern auszubrüten. ...

In einem Leserbrief zu dem Artikel werden die erwarteten Persönlichkeitsmerkmale, die die Kinder mitbringen sollen, positiv formuliert: Angstfreiheit, seelische Ausgeglichenheit, Ich-Stärke, Konzentrationsfähigkeit, geistige Wachheit, Neugierverhalten (Interesse), Leistungsmotivation und nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Donata Elschenbroisch : Weltwissen der Siebenjährigen, München 2001
Gibt eine interessante Aufstellung, was die Familie leisten sollte.

Marleen Noack : Nach der Grundschule wird es richtig ernst, Frankfurt 1999
Gibt umfassend, ausgewogen Ratschläge für den Übergang und kann sehr hilfreich für Eltern und Lehrer sein.

Arbeitsvoraussetzungen und Arbeitshilfen

Die folgenden Themen sind nur in Zusammenarbeit zwischen Kindern, Lehrern und Eltern zu bewältigen. Sie sollten in der "Klassenlehrerstunde" und im Fremdsprachenunterricht besprochen werden. Dann sollten die Eltern informiert und um Mitarbeit gebeten werden.

1. Arbeitsplatz / Ergonomie
2. Medienkonsum / Leseförderung / Schutzmöglichkeiten für Kinder bei Internetbenutzung
3. Zeitplan / Motivation für Erledigung der Hausaufgaben
4. Karteikasten / Lern - CD ROMs
5. Lerntyp

 

 

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Domäne  Bossert

 

September 2005
© B.Bossert