Aneignung der Welt
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Die Aneignung der Welt

 

Konstruktion von Weltbildern und Gesellschaftsverträgen

Der Titel beinhaltet die Vorstellung, dass das Baby als „unbeschriebenes Blatt“ auf die Welt kommt. Wie weit diese Vorstellung zutrifft, hat man an Neugeborenen untersucht.

„Neugeborenes“

Wie die Untersuchungsergebnisse gezeigt haben, erforschen Baby und Kleinkind ihre Umwelt. Durch Lernen lernen emanzipiert sich der Heranwachsende.

http://www.bossert-bcs.de/biologie/Lernen/lernen.htm

Da der junge Mensch in einer Gesellschaft mit langer Tradition heranwächst, kann er von dem angesammelten Wissen profitieren. Durch eigenes Entdecken, Aneignung von Sprache, Lesen und Schreiben wird „die reale Welt“ erkannt und gedeutet und so eine Vorstellung von Zusammenhängen konstruiert.

 

 

Waren die Urmenschen noch stark von ihrer Lebensgemeinschaft als kleinem Ausschnitt der Welt abhängig, so hat sich das im Laufe der Menschheitsgeschichte dramatisch geändert.

 

Schon die Urmenschen wanderten „out of Africa“ und wurden so die ersten Entdecker – diese Stufe (der Mensch als Entdecker) nennt Jürgen Mittelstraß „Kolumbuswelt“.

Durch die Herausbildung der Naturwissenschaften mit ihrer spezifischen Denkweise

http://www.bossert-bcs.de/biologie/experiment/index.htm

http://www.bossert-bcs.de/biologie/biologieunterricht/biologie.htm

verstand und deutete man „die Welt“ immer besser – es wurde die Stufe der„Leibnizwelt“ erreicht.

Die Leibnizwelt ging gleitend in die „Leonardowelt“ über.

Sie wird von Jürgen Mittelstraß in „Die Häuser des Wissens“ (Frankfurt 1998) folgendermaßen beschrieben:

„Wir leben in einer Welt, die das Werk des Menschen ist. Mochten frühere Generationen noch glauben, dass sie in einer Welt Gottes lebten oder in einer Welt, in der die Natur das Sagen hat, so wissen wir heute, dass diese Welt allenfalls noch an den Rändern unseres Bewusstseins und unserer Erfahrungen existieren, nicht mehr in der Wirklichkeit moderner Industriegesellschaften. Wohin wir in dieser Welt auch gehen, der erkennende, analysierende, der wirtschaftende, der bauende, der verwaltende und der zerstörende Verstand waren immer schon da. ...
Es ist eine Welt, in der sich der Mensch in seinen eigenen Werken begegnet, in der nicht zu erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält, das eigentliche Thema mehr ist, sondern die Aufgabe und die Notwendigkeit, die Welt zusammenzuhalten.
Etwas weiteres kommt hinzu. Die Leonardo-Welt, die das eigentliche Werk des Menschen ist, beginnt sich gegen den Menschen zu wenden, d.h. sie beginnt sich den Menschen anzueignen. Der Aneignung der Welt durch den Menschen – in den Formen von Kolumbus-Welt, Leibniz-Welt und Leonardo-Welt – folgt wie ein immer größer werdender Schatten die Aneignung des Menschen durch die (angeeignete) Welt. Wissenschaft und Technik, die beide dominanter Ausdruck einer Leonardo-Welt sind, führen nicht nur in humane, sondern auch in inhumane Welten.“

Wie sind nun aber die Probleme entstanden? Wieso haben sich die Schwierigkeiten aufgetürmt? Wieso sind die Menschen überfordert oder haben gar Angst?

 

 

 

Man hat schlicht vergessen, dass Naturwissenschaften und Technik „wertfrei“ sind, d.h. sie können keine Werturteile abgeben. Naturwissenschaftler und Techniker können (und sollten auch) als Mitglieder der Gesellschaft ihre persönlichen Wertvorstellungen zum Ausdruck bringen.

 

Bei jedem Schritt von „Gestalten und Aneignen“ wäre aber eine Wertediskussion nötig gewesen.

 

Die Gründe sind vielfältig:

 

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Domäne  Bossert

 

September 2005
© B.Bossert