Informationsbeschaffung und Verarbeitung

- Naturwissenschaften als Beispiel

„Ich glaube nicht, dass wir durch die Überschwemmung mit Informationen so etwas wie Wissen erzeugen; denn Wissen ist verdaute, verarbeitete Information, die eingebaut wird in das bereits bestehende Wissen. So wird es Teil des Menschen und schlägt sich in seinem Handeln nieder.“
H. P. Dürr

„Intelligent organisiertes inhaltliches (Vor-) Wissen ist eine notwendige Voraussetzung für den intelligenten Umgang mit Information aus einem anspruchsvollen Inhaltsbereich.“
F. E. Weinert

Wissen muss man sich erarbeiten, Informationen kann man sich beschaffen (lassen).

 

Informationsbeschaffung

Der Aufwand kann sehr unterschiedlich sein; für eine Hausaufgabe genügt oft ein Blick in das Schulbuch, für eine Präsentation oder gar eine besondere Lernleistung wird man alle Möglichkeiten nutzen.

 1 Thema erfassen
   Man sollte sicher sein, dass man die Fragestellung verstanden hat. Man sollte die Aufgabe gründlich bedenken und auch überlegen, was nicht mit eingeschlossen ist.

  2 Hintergrundwissen
    Ohne Vorwissen kann man sich nicht informieren. Schülerinnen / Schüler haben ihr Vorwissen aus dem Unterricht – Schulbuch, Heft, Arbeitsblätter.
Fernsehen, Zeitschriften, Zeitungen und Bücher erweitern das Grundwissen.
Im Hinblick auf die Notwendigkeit sich lebenslang (Ausbildung, Studium, Beruf) zu informieren, sollte man sein Wissen ständig erweitern. Später kann man nicht damit rechnen, dass nötiges Basiswissen gerade vorher erarbeitet wurde.

Mögliche Quellen:

-         die vielfältigen wissenschaftlichen Sendungen der Radio- und Fernsehsender

-         Lernprogramme

-         die naturwissenschaftlichen Seiten der Tageszeitungen und Zeitschriften

-         populärwissenschaftliche naturwissenschaftliche Fachzeitschriften (Bild der Wissenschaft, Spektrum der Wissenschaft = Scientific American, Technology Review – in deutscher Sprache, sehr empfehlenswert) – im Lesesaal der Stadt- oder Universitätsbibliothek oder im Abonnement (12 Hefte Scientific American $ 44 pro Jahr inklusive Porto)

-         Jahrgänge vieler Zeitungen und Zeitschriften gibt es auf CD-ROM (z.B. FAZ, NZZ, Der Spiegel, ...) – hier ist eine Volltextsuche möglich
Preiswerter als ein ganzer Jahrgang ist eine Auswahl, z.B.
FAZ – Natur und Wissenschaft 1993 bis 2004 , CD-ROM 29 €
NZZ – Forschung und Technik, 1993 bis 2004 , CD-ROM 49 € 
Von einer öffentlichen Bibliothek aus kann man unter „F.A.Z.-BiblioNet“ kostenlos im Archiv der FAZ recherchieren

-         Online-Dienste, z.B. www.max-wissen.de

  3 Konkretes Vorgehen
    Nachlesen in :
    3.1  Schulbuch
    3.2 Lexika (Buchform, CD-ROM / DVD, Internet – Wikipedia)
    3.3  Populärwissenschaftlichem Buch (Sachbuch) – Schulbibliothek, Stadtbücherei – hat den Vorteil, dass die Bücher nach Sachgebieten geordnet in den Regalen stehen
    3.4  Lehrbuch für die ersten Semester – Universitätsbibliothek, die Lehrbuchsammlung ist nach Studienfächer und dann nach Sachgebieten geordnet
Man sollte bei seiner Suche zur Übung und damit zur Vorbereitung auf das Studium ruhig etwas weiter gehen, als für den „Schulfall“ unbedingt nötig ist.

Man hat jetzt nicht nur Hintergrundwissen erworben, sondern ist jetzt auch in der Lage, das Thema besser einzuordnen und aus einer erweiterten Sicht souveräner zu bearbeiten und hat eine Menge von Schlagworten und Quellen zur Weitersuche erschlossen.

Siehe auch   http://www.bossert-bcs.de/biologie/praesent/praes.htm

Die Ergebnisse im einzelnen :

aus 3.1 -> Grundwissen
aus 3.1 bis 3.4 -> Schlagworte für eine Internetsuche
aus 3.2 bis 3.4 -> Hinweise auf Bücher (Quellenangaben) – Autor, Titel
aus 3.4 -> Hinweise auf Artikel in Fachzeitschriften

Bevor man weiter arbeitet, sollte man sich nochmals versichern, dass man das Thema richtig verstanden hat.

 

Personen

Nachdem man sich nun schon selbst bemüht und eingearbeitet hat, kann man auch daran denken, Fachleute zu fragen: Lehrerinnen / Lehrer, Personal der Bibliotheken oder der einzelnen Fachabteilungen der größeren Buchhandlungen, Internetforen

In speziellen Fällen kann man sich an wissenschaftliche Mitarbeiter von Zoo, Palmengarten, Senckenbergmuseum, Institute der Universität, ... wenden.

 

Internetrecherche

Der Umgang mit Suchmaschinen wird vorausgesetzt. Es sollen nur einige wenige Hinweise gegeben werden: Suchbegriffe sollten immer kombiniert werden, um die Zahl der Fundstellen in Grenzen zu halten, es empfiehlt sich die Arbeit mit englischen Suchbegriffen, weil so mehr Seiten erschlossen werden, sehr günstig ist es auch unter der Voreinstellung „Bilder“ zu suchen, da man häufig ein Schema findet, das zu einem zentralen Artikel gehört.

Es gibt auch schon Ansätze, mit Software z.B.
            Grokker            www.groxis.com
            Kartoo              www.kartoo.com
die Fülle der gefundenen Einträge zu strukturieren.

Bei Fachzeitschriften und Büchern kann man davon ausgehen, dass eine Überprüfung durch Gutachter und Lektoren vorausgegangen ist. Bei seriösen Presseerzeugnissen und Filmen kann man hoffen, dass die journalistische Sorgfaltspflicht beachtet wurde. Bei Informationen aus dem Internet muss man immer mit unbeabsichtigten und beabsichtigten Falschangaben rechnen.

1. Schritt : Prüfung

Gleich der erste Schritt ist der schwierigste: Ist die Information korrekt? Die folgenden Überlegungen beschränken sich auf die Webangebote.

Es gibt kein Patentrezept; die folgenden Fragen können weiterhelfen:

-         Steht die Information auf mehreren unabhängigen Webseiten?
-         Macht die Seite einen seriösen Eindruck?
-         Sind andere Informationen dieser Seite sicher?
-         Gibt es links auf diese Seite?
-         Fügt sich die Information gut in mein strukturiertes Basiswissen ein?
-         ...

2. Schritt : Verarbeiten

Der letzte Punkt der Prüfung hat schon zu dem zweiten Schritt übergeleitet. Man versucht, die gefundene Information mit bereits Bekanntem in Beziehung zu setzen, um so das Neue besser zu verstehen. Je breiter das Grundwissen ist und um so besser das Denken in Konzepten entwickelt ist, um so leichter fällt dieser Schritt. Man kann Beispiele suchen, Fragen aufwerfen, Verknüpfungen herstellen, Analogien bilden und so mit der neuen Information arbeiten, sie erweitern und einbauen. Darüber hinaus kann man auch mit dem entstehenden neuen Wissen arbeiten und Vermutungen aufstellen und Schlussfolgerungen ziehen. Die Information wird hierbei indirekt überprüft.

 

Stadtbücherei

Will man nur ein bestimmtes Buch ausleihen, kann man unter

www.stadtbuecherei.frankfurt.de/sbaopac

in einer bestimmten Schulbibliothek oder unter

www.stadtbuecherei.frankfurt.de/opac

in dem Gesamtbestand nachsehen, ob das Buch vorhanden und ob es ausgeliehen ist. Man kann auch Schlagworte eingeben und so nach Büchern suchen.

 

Universitätsbibliothek

Auch hier kann man natürlich Online suchen.

http://webopac.server.uni-frankfurt.de

Sowohl die Bücher und Zeitschriften der Stadtbücherei als auch die der Universitätsbibliothek kann man ohne Leseausweis in den Lesesälen lesen und auch kopieren.

 

Weitere Möglichkeiten

... , die man nur im Sonderfall nutzen wird:

-         Deutsche Bibliothek, Präsenzbibliothek (d.h. sie leiht nicht aus),
           hat alle in deutscher Sprache seit 1945 gedruckten Bücher,
           Zeitungen, Zeitschriften, ... vorrätig, für Schüler nicht ohne weiteres nutzbar

-         Eine der 90 Frankfurter Fachbibliotheken
          (je spezieller die Bibliothek, desto spezieller das Wissen
           und die Beratungsmöglichkeiten der Bibliothekare)

-         Fernleihe über die Universitätsbibliothek (deutschlandweit)

-         wenn man das Buch kaufen will, kann man z.B. unter
          www.amazon.de
          www.zvab.de
          nachsehen.

 

Science Citation Index

Ein Blick über die Schule hinaus.

Für Naturwissenschaften (speziell für Chemie und Biologie) und Medizin gibt es die ausgereiftesten Suchsysteme. Mit SCI (periodische Titelbibliographie) kann man in 2400 naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Fachzeitschriften nach Artikeln suchen, die man gar nicht kennt und die gerade erst erschienen sind.

Normalerweise ist von dem Literaturverzeichnis eines Buches oder eines Fachzeitschriftenartikels nur eine zeitlich rückwärts gerichtete Suche möglich.

Mit dem SCI kann man Literaturzitate in den Literaturverzeichnissen aller Artikel der 2400 Fachzeitschriften auffinden. Sucht man nach einem wichtigen Artikel aus dem eigenen Forschungsbereich, so erhält man alle Artikel, die diesen im Quellenverzeichnis aufführen. Diese Artikel sind dann (fast) alle aus diesem Forschungsbereich.

Neben dieser Suchfunktion hat der SCI für Professoren noch eine zweite wichtige Funktion: Sie können nachsehen, wie oft ihre Artikel zitiert wurden. Das wird als Maß ihrer Rangordnung angesehen.

 

 

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Domäne  Bossert

 

September 2005
© B.Bossert