Was man wissen muss

 

„Erschöpftes Ich in Datenfluten“ (NZZ vom 05.12.2009) – in diesem und ähnlichen Artikeln denkt man über „Fluch und Segen des Computerzeitalters“ nach. Das Problem besteht heute darin, aus der zugänglichen Informationsfülle die relevanten Daten herauszufiltern und sinnvoll zu nutzen. Nicht die Menge (information overload) ist das Problem, sondern das Versagen der Filterung (filter failure).
Mit großem Interesse las ich deshalb den Artikel „Das müssen wir wissen“ von Stephen Baker in der FAZ vom 06.02.2010. Endlich Klarheit! Ich war neugierig und wurde immer ungeduldiger – bis zu den enttäuschenden abschließenden Sätzen: „Wie mir bald klar wurde, bestand das Problem darin, dass ich zwar die Herausforderung beschreiben konnte, aber kaum Antworten anzubieten hatte [richtig!]. Was sollten wir in unseren Köpfen behalten? Das ist die Frage unserer Generation.“
Es soll hier versucht werden, zumindest einen allgemeinen Rahmen des Wissens, geeignete Medien und eine Wissensstrukturierung für den Biologieunterricht vorzuschlagen.

 

1. Zwei große Wissensgebiete

1.1 Sozialisation und Weltwissen

Eingliederung in die Gemeinschaft und Konstruktion der Weltsicht

Die ersten entscheidenden Jahre seines Lebenslaufs kann man nicht mitplanen, man kann nur agieren und reagieren. Die Chancen hängen von Eltern und anderen betreuenden Personen ab.
Im Laufe der Kindergarten- und Schulzeit arbeitet der Jugendliche bewusst und unbewusst an seinem Selbstbild; zur Familie als Einfußfaktor kommen noch die jeweilige Gruppe, Erzieher und Lehrer hinzu.

Das, was in der Zeit bis zum 10. Lebensjahr neben der Schule geschieht oder eben unterbleibt, entscheidet über die Leistungen im Unterricht. Ein Rückhalt in der Familie, Selbstvertrauen, Neugier und Interesse für Neues und die Fähigkeit in einer Gruppe zu arbeiten sind wesentliche Voraussetzungen.

            „Die Bereitschaft sich anzustrengen, können jedoch keine Schule und keine
           sozialstaatliche Fürsorge dem Einzelnen abnehmen.“

            „Es geht um den Übergang von <play> zu <game>. Es geht um Achtung,
           kognitive Standards und Vergleiche. …“

            „Es geht darum, von Normen des familiären Lebens abstrahieren zu können.“

            „Es geht darum einzusehen, dass die folgende Vorstellung falsch ist: Du darfst
           alles tun, es hat keine Folgen. Sei einfach du selbst.“

            Kurz: Es geht um lernbereite Kinder!

 

Erfahrungen Weltbild

 

Die Abbildung zeigt im Zentrum den Lebensweg. Es werden Erfahrungen gesammelt (input) und rückgekoppelt agiert (output). In den beiden oberen Kreisen sind die beiden Gebiete zusammengefasst, aus denen wir unsere Weltsicht entwickeln (können). Die beiden unteren Kreise symbolisieren die Massenmedien, die die Mehrzahl der Menschen mit ihren Medienmassen zuschütten.

Das Schema zeigt im Zentrum einen Lebenslauf mit einer Ausschnittvergrößerung der Gegenwart, die Motivations- und Programmfelder enthält, die die Handlungen des Individuums steuern. Es handelt sich um die Erweiterung einer Darstellung von Niklas Luhmann. Von ihm stammen auch die beiden Zitate.
Die Gestaltung der gelb dargestellten Felder seines Lebensentwurfs und seiner Handlungsprogramme erfolgt nach und nach mit Hilfe der Angebote der Traditionen (Natur- und Geisteswissenschaften) und in Rückkopplung mit dem Umfeld.

Die Erklärungsmodelle der Naturwissenschaften und die Entwürfe von Wertvorstellungen der Geisteswissenschaften werden in der Schule und der Freizeit durch Medien – hauptsächlich Bücher – vermittelt. Als besonders gewichtiger weiterer Einflussfaktor sind die Massenmedien dargestellt.
Sieht man es als Aufgabe der Schule an, die „Bildung“ der gelb hervorgehobenen Bereiche zu fördern, so gerät man methodisch in die Zwickmühle von Persönlichkeitsförderung und Ausbildung von praktischen Fertigkeiten. Denkt man sich das Dreieck weg, so hat man eine „Trivialmaschine“ mit einer Vielzahl von anspruchsvollen Programmen und Unterricht ist einfach und die „Praxisorientierung“ ist voll erreicht. Kein Denken, keine Wertvorstellungen und Emotionen behindern die Funktion – aus Sicht der Wirtschaft ist man dann ideal vorbereitet.
Bemüht man sich als Lehrer um die eigentliche Aufgabe, die der Persönlichkeitsbildung, so wird der Unterricht um so schwieriger aber auch anspruchsvoller und anregender, je weiter die 33 Mitarbeiter mit ihrer Persönlichkeitsbildung vorangekommen sind. Am „interessantesten“ für alle ist die Umbruchzeit der Pubertät.

Denkt man an Alain Ehrenberg: „Das erschöpfte Selbst“, so wäre es eine Hauptaufgabe der Schule, den Schülern erstens klar zu machen, dass sie vor der und zur Selbstverwirklichung ein Selbstbild konstruieren müssen und ihnen zweitens dabei kontinuierlich zu helfen.

Bildung ist ein dynamischer, nie endender Prozess eines interaktiven Systems.

Die momentane Schulpraxis, deren Schwergewicht auf Fertigkeiten („Kompetenzenkompetenz“) liegt, ist dazu ungeeignet –sie ist nur Ausbildung.

 

1.2 Igel und Füchse

Zwei Arten von Weltwissen: Wertvorstellungen und Weltverstehen
Grundsätzliche Überlegungen

Isaiah Berlin interpretiert das Fragment des griechischen Dichters Archilochos „Der Fuchs weiß viele Dinge, der Igel aber weiß eine große Sache“ indem er es auf Menschen überträgt.
„Es besteht nämlich eine tiefe Kluft zwischen denen, die alles auf eine einzige, zentrale Einsicht beziehen, auf ein mehr oder weniger zusammenhängendes oder klar gegliedertes System, im Rahmen dessen sie verstehen, denken und fühlen – ein einziges, universales, gestaltendes Prinzip, das allein allem, was sie sind und sagen, Bedeutung verleiht – ,und auf der anderen Seite denen, die viele, oft unzusammenhängende und sogar widersprüchliche Ziele verfolgen, die, wenn überhaupt, nur in einem faktischen Zusammenhang stehen, aus irgendeiner psychologischen oder physiologischen Ursache und nicht kraft eines moralischen oder ästhetischen Prinzips. …
Die erste Art von Intellektuellen und Künstlern gehört zu den Igeln, die zweite zu den Füchsen.“
Bezieht man „Igel und Fuchs“ auf Menschen allgemein, so schildert Hans Magnus Enzensberger Philipp Melanchthon als einen Igel und die Friseuse Zizi als Fuchs.

http://www.bossert-bcs.de/biologie/welt/praktum/ignoranz.pdf

Isaiah Berlin bevorzugt den „Igel“, ohne allerdings darauf einzugehen, dass man es sich auch leisten können muss.
„Um den Alltag brauchte sich Melanchthon nicht zu kümmern, das war Sache der Frauen und Dienstboten.“

Betrachtet man Menschen allgemein, so sollten sie / müssen sie (bis auf Spezialfälle) über ein „Igelwissen“ und ein „Fuchswissen“ verfügen. Ihr Selbstbild und ihre Wertevorstellungen sollten die Struktur eines „Igelwissens“ haben, während für ihr naturwissenschaftliches Weltbild, ihren Beruf und das tägliche Leben „Füchsewissen“ notwendig ist. Im Gegensatz zu dem Wissen der „armen Zizi“ sollte aber das vielfältige „Füchsewissen“ strukturiert sein.

Für den rundum durch andere Leute versorgten Wissenschaftler im Elfenbeinturm reicht ein „Igelwissen“ aus. Trotteligkeit kann ganz bequem sein.

Den wenigen Fragen der Philosophie entsprechen viele seit über 2000 Jahren im Wandel begriffene Antworten. – sich wandelndes Igelwissen.
Daneben stehen die Naturwissenschaften mit ihrer Wissensflut, die versucht, sich objektiven Wahrheiten zu nähern und dabei immer neue Fragenlawinen auslöst, die zu einem „ewigen“ Erkenntnisprozess führen, ohne dass man ein Ende absehen kann. – sich akkumulierendes, strukturiertes Füchsewissen.

Die beiden Gebiete lassen sich nicht verbinden, weil einmal das Subjekt im Mittelpunkt der Untersuchung steht und bei der naturwissenschaftlichen Sicht in der reinen Form jeder subjektive Faktor ausgeschlossen ist. Jedes der Gebiete hat eine eigene Logik entwickelt und als „vernünftig“ darf nur gelten, was sich an der je eigenen Logik bewährt.

Man hat also nur die Auswahl, entweder in zwei Welten oder einer halben Welt zu leben.

 

2. Information und Wissen

Nun kommt der Punkt, an dem „Wissen“ definiert werden soll.
Eine Begriffsbestimmung ist nötig, da sogar die ausgezeichnete Technolgy Review in ihrem Fokus „Wissensmanagement“ (03.2010) nicht sauber zwischen Information und Wissen unterscheidet.
Eine umfassende Definition von „Wissen“ findet man bei Konrad Paul Liessmann; aus ihr kann man auch eine Definition von „Information“ ableiten.

Information

Wissen

Information vermehrt die Datenmenge,
es gibt eine Informationsflut,
Information muss geprüft werden,
nach Information kann man zielgerichtet suchen,
Information kann man

  • messen
  • aufrufen, weiterleiten
  • ausdrucken

Information sucht man zweckorientiert – sie ist häufig Grundlage für eine bevorstehende Handlung,
Information ist praxisorientiert und verwertbar,
Zugriff und Fluss sind schnell,
viele Informationen im Internet sind von geringer allgemeiner Relevanz (z.B. soziale Netzwerke) und kurzlebig – „Die Netzkultur ist eine Kultur der Jetzigkeit.“

Informationen können zu Wissen werden

Wissen entsteht aus Einzelheiten und Begriffen (Informationen), die sinnvoll nach der spezifischen Logik einer Wissenschaft verknüpft wurden und in einem überprüfbaren Zusammenhang stehen,
durch Gesetzmäßigkeiten und Prinzipien der Wissenschaft kann erreicht werden, dass Wissen so strukturiert wird, dass die Informationsflut auf abstrakte Konstellationen reduziert wird,
Wissen ist nicht eindeutig zweckorientiert, es erlaubt aber die Welt zu erkennen, zu verstehen und zu begreifen – es kann also etwas erklärt werden,
die Aneignung und Erarbeitung von Wissen benötigt Zeit und Strukturierungshilfen – jedes Individuum muss sich seine Wissenswelt selbst aneignen und konstruieren,
es gibt keinen „Wissenstransfer“, keinen Nürnberger Trichter, es gibt nur Hilfestellungen beim Erwerb und Aufbau von Wissen

 

Es geht um einen selbst erworbenen und selbst Wissen produzierenden Sachverstand.

Wissen schreibt kein bestimmtes Handeln vor, sondern befähigt zu einem eigenen Urteil und damit zu einer Auswahlentscheidung.
Wissen kann man nicht nur bei Bedarf anwenden, sondern es gibt eine Art Sicherheit, mit der man sich auf neue, unvertraute Situationen einlassen kann.

 

Informationsflut

Aus der Informationsflut wird ausgewählt und der Wissens- und der Werteraum konstruiert. Mit ihrer Hilfe und unter dem Einfluss von Emotionen (Entscheidungsraum) wird das aktuelle Problem entschieden und entsprechend gehandelt.
Das Zusammenspiel kann nur entstehen, wenn die Informationen gut sind und die Person ein Wissensraster aufgebaut hat, das ihre Beurteilung und Einbindung erlaubt.

 

Die Unsicherheiten und Schwierigkeiten sind groß. Der Einzelne steht einer Gesellschaft von Individuen gegenüber, die sich selbst bestimmen und entfalten wollen. Die Wirtschaft mit der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, den überforderten Arbeitskräften und ihrem kurzfristigen Profitdenken steckt in einer Legitimationskrise. Zur Orientierung gibt es kein einfaches und überzeugendes Angebot, sondern Religionen, Philosophie und Soziologie bieten eine unüberschaubare Fülle von differierenden Wertesystemen an. Der Einzelne ist aufgefordert, sich seine Wertvorstellungen „zusammenzusuchen“, während er von den Massenmedien eine „Prominenz“ vorgeführt bekommt, die primitive unsoziale Lebensziele verfolgt.

Auch der Blick auf Naturwissenschaften und Technik, die unser Leben bestimmen, zeigt kein einfach begreifbares Bild. Beide Gebiete fächern sich in eine unüberschaubare Zahl von Fachwissenschaften auf, die auf komplexe Weise alle zusammenhängen. Entmutigend ist die Fragendynamik in der Wissenschaftsgeschichte: „Schon die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts räumte mit dem Eimermodell der Wissensakkumulation gründlich auf. Nichtwissen ist kein leerer Eimer, den die Forscher allmählich bis zum Rand füllen, sondern eine Lawine. Jede endlich gefundene Antwort zieht eine Mehrzahl neuer Fragen nach sich. Ein Ende der Wissenschaft ist nicht in Sicht“ (Gerhard Schulze).
Auch Schriftsteller und Künstler, die uns in ihren Werken „Hilfsangebote zu Bewältigung des Lebens“ machen wollen, sehen sich in dieser schwierigen Lage. Wolfgang Hildesheimer hielt es schon 1975 für nicht mehr möglich, eine neue literarische Realität zu gestalten angesichts der Diskrepanz zwischen objektiver Erkenntnisfähigkeit und der von der Wissenschaft geprägten komplexen Lebenswirklichkeit.

Es bleibt also nur lebenslanges Bemühen und Arbeiten. Eine Hoffnung gibt die folgende Überlegung.

Vergleicht man das Weltwissen einer Person mit einem Mosaikbild, so sind die einzelnen Steinchen Informationen, das entstehende Bild das Wissen. Die Anordnung der Steinchen wird bei zwei Personen nie gleich sein; das Bild wird nie fertig.
Je fortgeschrittener das Bild aber ist, desto einfacher und sicherer kann man neue Steinchen einfügen.
Das Gesamtbild wird immer klarer und lässt sich gut einprägen.

Blick auf die Schule: Im Zusammenhang mit Bildungsstandards ist Wissen gefragt – kein Kasten mit Informationssteinchen.

Bücher

 

3. Wissenserwerb

3.1 Lesen – das Buch

Zugang zu Wissen

Die ersten Bücher waren kostbar und unhandlich. Auf der Abbildung sieht man eine Kettenbibliothek (Hereford, England aus Hanebutt-Benz); die einzelnen Bücher waren angekettet und standen mit dem Schnitt nach vorne in den Regalen. Sie konnten nur an Ort und Stelle auf dem Pult gelesen werden. Diese Präsenzbibliothek war auch für Studierende geöffnet.

 

Leserad

 

 

Die aufwendigen Pultmöbel (Leserad aus Hanebutt-Benz) spiegeln die Bedeutung der Bücher wider und sollte das Hantieren mit schweren Folianten erleichtern.

 

 

 

 

 

Arbeiten am Schreib- und Lesepult

 

Lesen und Schreiben waren Künste, die nicht weit verbreitet waren; der Holzschnitt (um 1500 aus Hanebutt-Benz) zeigt den Heiligen Hieronymus bei der Arbeit an einem Schreib- und Lesepult.

 

 

 

 

 

Heute sind Bücher preiswert (Taschenbücher) und werden überall (Bett, Zug, Schwimmbad) gelesen. In Stadtbibliotheken kann man sie kostenlos ausleihen.

Das Lesenlernen sieht man in Deutschland als Angelegenheit der Grundschule an. Die Kinder können am Ende der Grundschulzeit lesen und auf diesem Leseniveau bleiben dann viele stehen.

Dass Lesen aber heute auch noch eine Kunst ist, zeigt der tägliche Unterricht. Längere Satzkonstruktionen und kleiner Wortschatz bereiten Verständnisschwierigkeiten – Lesen verlangt Übung und Nachdenken. – Um den Kindern „zu helfen“, vereinfachen die Schulbuchverlage hemmungslos Literaturvorlagen zu „kindgerechten“ Texten. Die Schwierigkeiten treten dann eben später auf.
Sogar für Erwachsene werden Werke neu übersetzt und dabei stark vereinfacht: „Nicht so sehr einen griechischen Homer in deutschem Gewand als einen deutschen Homer erhält der Leser hier. Und mehr … verträgt er vielleicht auch nicht mehr.“
H.-A. Koch in der NZZ vom 09.06.2010 in einer Besprechung einer neuen Übersetzung der Odyssee

Die folgende Tabelle (aus Richards) zeigt, dass es eine Zeit dauert, bis man differenziert lesen kann.

 

Anführungszeichen (quotation marks)
Anführungszeichen kennzeichnen nicht nur wörtliche Rede oder Zitate, sondern können noch weitere Bedeutungen haben.

KEY

w……w

indicates that the word – merely as that word in general – is being talked about. The marks are equivalent to „the word“.
E.g., wtablew may mean an article of furniture or a list.

r……r

indicates that some special use of the word or phrase is being referred to. The marks are equivalent to: Please refer to the place in the passage we should have in mind when this word comes.
E.g., rNaturer for Whitehead is not Wordsworth´s rNaturer.

q……q

indicates that our problem is What does this word say here? The marks are equivalent to Query: what meaning?

!……!

indicates surprise or derision, a Good Heavens! attitude. It should be read
!shriek! if we have occasion to read aloud.

nb……nb

indicates that how the word is understood is a turning point in the discussion, and usually that it may easily be read in more than one way or with an inadequate perception of its importance. The sign is short for nota bene.

sw……sw

indicates that we are comparing what is said with the word and something said with other words. E.g. if someone says “Art is significant form”, he may be saying “What I say with swArtsw, is the same as I say with the words swsignificant formsw”.

n……n

indicates that the word is the name that is being used and that we know what it names though we may not think it a good name. The sign is equivalent to “the so-called”.

 

Es ist ein großer Fehler, das Lesen zu vereinfachen und zu vernachlässigen.

Bücher sind die einzige Chance und Hilfe, wenn die Familie nicht helfen kann oder will und die Lehrkraft versagt. Viele Autodidakten erschlossen sich allein mit ihrer Hilfe Wissensgebiete.

Nicht jeder kann einen Onkel Wolfram (Oliver Sacks) haben.

 

3.1.1 Das Lesen eines Romans

Aneignung von Igelwissen (Weltsicht: Ästhetik und Werte)

Es geht um Form und Inhalt – d.h. genaues Lesen, immer wieder lesen. Keine Zeile, kein Wort darf ausgelassen werden.

Die folgenden Fundstellen verdeutlichen, dass man genauestens lesen sollte.

 

Georges Hyvernaud: Der Viehwaggon

08      Ein rundum festgezurrtes Schicksal. Ein Insektenschicksal, …
10      Nur die Stuhllehnen tragen noch Sakkos. Und nur die Sakkos tragen noch Orden …
17      „Ein Essay?“ ... ein Buch in dem nichts passiert.
26      Ein gestrenges, entschiedenes, wohldurchdachtes Gegrummel.
100    Der arbeitende Mensch fällt nicht in den Bereich des Romans:
          Er gehört in den Bereich der Eignungskunde.
109     Die Ehefrauen warten im Inneren weitläufiger Wohnungen.
          Im Familienporzellan    warten Suppen, die beim Warten dampfen.

 

Bei der Interpretation von Kunst geht es nicht um „die richtige Interpretation“, sondern um das Erschließen neuer Sichtweisen.
vergleiche auch: http://www.bossert-bcs.de/biologie/2kulturen/index.htm

 

Was man bedenken sollte

„Werte müssen geteilt werden, damit sie wirksam sind.“

„Naturwissenschaftler wollen die Welt erklären, Geisteswissenschaftler wollen sie verbessern.“

„Mich interessiert nicht, wie sich Menschen bewegen, sondern was sie bewegt.“ Pina Bausch

„Art should be a trailer for the future.“ Jack Goldstein

Die Gabe des Dichters: “… etwas aufzunehmen und zu erfassen, was der im Alltag und ihren Gewohnheiten befangenen Mehrheit entgeht.” Günter Kunert

„Gedichte bilden nicht ab, sie erzeugen vielmehr die Wirklichkeit.“ Dorothea Grünzweig

„Er entdeckt, dass ein Stück wie <People Are Strange> von The Doors jenen Gefühlen Worte verleiht, die er selbst nicht auszudrücken vermag. Persönliches als kollektive Erfahrung begreiflich machen, das ist aber das Geschäft des Schriftstellers.“

„Auch Bigelows neuere Filme … fordern das Publikum stets dazu auf, eingespielte Strukturen zu hinterfragen und sich neuen Sichtweisen nicht zu verschließen.“

„Politische Bildung soll gerade nicht ein Handeln vorschreiben, sondern dazu befähigen.“

Beim Lesen
„Produktion von Bildern: Die Worte sind auf der inneren Leinwand zu visualisieren.“
„Abgleichung mit der eigenen Erfahrung.“

„Literatur darf keine Rücksicht nehmen. Sie muss Widersprüche ins Extrem treiben, Ansprüche formulieren und dort ansetzen, wo es einer Gesellschaft weh tut.“

„… ich versuche eine präzise und schöne Sprache zu schaffen.“

„Das Netz hat eine tiefe Unsicherheit gegenüber allem erzeugt, was sich der unendlichen Plauderei entzieht.“

„Einzig vielleicht dazu, dass wir uns erinnern und dass wir begreifen lernen, dass es sonderbare, von keiner Kausallogik zu ergründende Zusammenhänge gibt.“

„Am Ende aller klugen Deutungen wartet immer die vernichtende Frage: Und woher wisst ihr das?“

„Kunstwerke drücken in diesem Sinne keine unverrückbaren Wahrheiten aus. Es handelt sich vielmehr um Laboratoriumsarbeiten, die der Entwicklung neuer Ordnungszusammenhänge dienen.“

„Das Dichten implizierte für sie, dass etwas abgetragen werden musste, damit etwas Neues hervorsprießen konnte.“

„Was zeichnet große Pianisten aus? …, dass sie etwas vom Leben verstehen und davon wie es sich spiegelt und aufgehoben ist in Aufbau und Struktur, Geschichte und Aussage der Musik; … und dass sie deren Geschichte erzählen, als wäre sie gerade eben neu passiert.“

Regiearbeit
„Eine Reaktion hervorzurufen, die zum Denken und Mitfühlen führt – ohne eine Wertung darüber abzugeben. Man muss die Augen öffnen. Kunstwirklichkeit hat nur Sinn, wenn sie die Wahrhaftigkeit der Welt, in der wir uns bewegen, trifft.“

„What do I believe?
  in the private life
  in holding up culture”                         Susan Sontag

“Es geht darum, das Unmittelbare zu sehen und es in Verbindung zu bringen mit anderen Sichtweisen, mit solchen, die eine emotionale Aufgeladenheit besitzen. Man muss nichts erfinden: Es geht darum, uns die Welt so vor Augen zu führen, wie wir sie potenziell in uns tragen – aber nicht sehen können, weil wir an unseren Gewohnheiten hängen. Das ist das Poetische.
Vor allem versuche ich den Menschen zu vermitteln, dass ein Kunstwerk immer ein Teil von ihnen ist – auch wenn sie es nicht mögen.“

„Er weiß, dass das Neue aus dem Alltäglichen kommt, dass Modernes entsteht, wenn Reportage und Poesie fusionieren. …
Das Einzigartige an der darstellenden Kunst ist ja, dass sie das Vorher und Nachher unsichtbar macht. Und der unsichtbare Teil ist das Reich des Betrachters. Beim Schauen schreibt der Betrachter dann einen Roman, eine Geschichte zu dem Bild.“

 

3.1.2 Das Lesen eines Sachbuches

Erwerb von Füchsewissen (Weltwissen)

Die Arbeit mit einem Sachbuch unterscheidet sich vom Lesen eines Romans (siehe Adler und Van Doren). Beim Lesen eines Sachbuches hat man ein Ziel – man will etwas verstehen. Ist schon strukturiertes Basiswissen vorhanden, so muss man nicht das ganze Buch lesen, sondern man bearbeitet nur ein Kapitel oder gar nur einen Abschnitt. Es empfiehlt sich, mehrere Sachbücher parallel zu lesen – auch fremdsprachliche. Man vergleicht die Darstellung eines Themas und die dazugehörigen Abbildungen aus verschiedenen Büchern und strebt eine Synthese an – dann weiß man etwas.
Neben dem Lesen von Texten muss in den Naturwissenschaften die Interpretation von Abbildungen geübt werden.

siehe hierzu: http://www.bossert-bcs.de/biologie/methlern2/index.html

Die Fülle des Füchsewissens muss strukturiert werden (siehe 4.).

 

3.2 Das Internet

Zugang zu Information

Geht es um eine begrenzte Fragestellung und nicht um den großen Überblick, so ist das Internet eine große Hilfe.

Max Otte: Der Informationscrash – drei Anstöße zum Nachdenken

 

Information

S.112 / 113
Doch was in der Ergebnisliste der Suchmaschinen ganz oben steht, entscheidet ein Computer bzw. ein zugrunde liegender Algorithmus, … nach der die Rechenmaschine die gefundenen Webseiten sortiert. …
In jedem Fall steht bei Google fast immer neben der eigentlichen Trefferliste eine zweite Rangliste mit Links auf Webseiten irgendwelcher Online-Händler …
Wer immer auf Seite 1 der Trefferliste rechts oben steht, hat Geld bezahlt dafür …

S.239/240
… digitale Netz ist heute ein Medium, das … im Zeitbudget der Medienkonsumenten einen Spitzenplatz erobert hat … aber … Informiertheit bringt es nicht.
Die meisten Absender stellen ihre Beiträge in den Vordergrund und erklären ihre persönlichen Hintergründe nicht.
… es geht nur noch um kleine und kleinste Interessen

 

 

Desinformation

S.106
Während sich die Lebensmittelindustrie durch die Überinformation aus der geschäftsschädigenden Kennzeichnungspflicht rettet, setzt eine andere Branche ganz gezielt auf Customer Confusion: die Telekommunikation.
Obwohl die Grundgebühr und die Tarife für fast drei Viertel der Handybenutzer ein wichtiges Kriterium beim Abschluss eines Telefon-Vertrages sind, weiß nur ein Fünftel aller Mobiltelefonierer, welche Kosten tatsächlich auf sie zukommen.

S.194
Aufmerksamkeit wird zur Schlüsselressource in der Desinformationsgesellschaft. Wer als Anbieter Marktgeltung erlangen will, muss Aufmersamkeitsreize schaffen, nicht Information.
Der Kunde wird gezwungen, dem Waren-Angebot seine Zuwendung zu geben, ohne dass er derlei als Kaufentscheidung erlebt.

 

 

 

Informationsungleichgewicht

S.34
Große Organisationen nutzen das moderne Instrumentarium der Informationstechnik für sich und tun dies immer aggressiver, indem sie ihre Kunden und ihre Mitarbeiter bis in intimste Details hinein ausspionieren, massenhaft Daten speichern und solange miteinander abgleichen, bis sich daraus relevante Informationen ableiten lassen.

S.254/255
Im selben Maße, wie den Bürgern die substanzielle Information abhanden kommt und sie im Morast der Desinformation versinken, gewinnen Konzerne, Politik und Medien substanzielle Informationen über die Bürger.
Google, Onlineshops, Kundenkarten wie Payback …
Konsum- und Bewegungsprofile
Handyortung, Überwachungskameras im öffentlichen Raum

S.260 und 261
So ist das Informationsungleichgewicht, das sich in unserer Gesellschaft immer mehr herauskristallisiert, Teil einer Machtverschiebung gewaltigen Ausmaßes. …
Mit Information werden inzwischen fast ausschließlich politische und ökonomische Zwecke verfolgt …
Zuträger des Desinformationssystems sind die Medien, deren Qualität sich permanent verschlechtert …

 

3.3 Tageszeitungen

Mit Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft im virtuellen Dialog

Das Lesen von unabhängigen informativen Tageszeitungen wird in Zukunft ein Luxus sein. Sie sind vom Aussterben bedroht – Redaktion und Zeitungsexemplar schrumpfen. Man meint, nicht ohne Bild auf der Titelseite auszukommen und stellt die Inhalte zusätzlich in das Internet. Der Weg zur papierlosen Zeitung wird beschritten.

Die Gefahren der Zeit nach dem „Qualitätsjournalismus“ werden von Max Otte skizziert.

 

„Viel Lärm um alles“

S.215 und 217, 218, 219, 220
Ein Bild sagt viel weniger als tausend Worte.
Das Foto ist für den Medienkonsumenten der Weg des geringsten Widerstands, denn es ist gefällig, schnell und auch ohne große Vorbildung sofort zu verstehen. …
… der Prozess, Aufmerksamkeit zu wecken, ohne Inhalt zu erzeugen, …
Ohne Kameras findet keine Politik statt.
Die Politiker haben sich den Bedingungen des Mediums anzupassen, wollen sie wahrgenommen werden. …
Sendungen wie Anne Will … sind deshalb nichts anderes als eine in ihrer Komplexität bis zur Unkenntlichkeit reduzierte Variante der politischen Debatte …
      personifizierte Form statt sachlicher Inhalt
      kurzatmig statt gründlich
      interessengetrieben statt unabhängig

 

FAZ und NZZ unterrichten über das Tagesgeschehen. Ein Vergleich von Faktenauswahl und Meinungsartikeln zu einzelnen Themen führt zu einem Grad der Information, der durch andere Medien nie erreicht wird.

Noch wichtiger sind mir allerdings die anderen Zeitungsbücher (Feuilleton und Wirtschaft) und die vielen Sonderseiten zu Wissenschaft, Technik, Geisteswissenschaften, Schule und Bildung.

Durch das gewissenhafte Lesen tritt man täglich in einen virtuellen Dialog mit Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft.

Anhand der Berichte über die Aschewolke und das Ölplattformunglück kann man leicht eine Zeitung testen: Aufregung und Panikmache oder Informationen und Aufrütteln?

Aschewolke
Hier wäre zu vermitteln, was Naturwissenschaftler unter einem Modell verstehen und wann sie zu einer Simulation gezwungen sind – statt ein Experiment durchzuführen, was immer vorzuziehen ist.
Die Wettervorhersage mit ihren Luftströmungen war die Grundlage der Simulation der Ausbreitung – und sie hängt ab von der Qualität (Richtigkeit) der Programme und der Anzahl der Messstellen und der von dort gelieferten Datenströme.
Detaillierte Vergleichsmessungen von früheren Vulkanausbrüchen wären hilfreich.
Gibt es Versuche, die die Widerstandsfähigkeit von Flugzeugturbinen gegen Staub getestet haben?

Ölplattformunglück
Um sich ein eigenes Urteil zu bilden, benötigt der Leser Informationen zur Komplexität der Technik, der Abhängigkeit der Politik von der Industrie (BP besitzt die Technik, die ungefilterten Informationen, entscheidet, was unternommen wird), das Zusammenspiel von Wirtschaftsinteressen, Verbraucherverhalten, örtlicher und globaler Politik, …
Das gelingt nur mit längeren Artikeln, die auch Hintergrundwissen vermitteln und durch Ergänzungen auf den Wirtschafts-, Finanz- und Wissenschaftsseiten.

 

4. Füchsewissen – strukturiertes Weltverstehen

Es geht nicht um ein Anhäufen von Daten und Wissensbruchstücken (deklaratives Wissen), sondern um Zusammenhänge und ein Verständnis, wie die Erkenntnisse erreicht wurden (prozedurales Wissen).

Die übersichtliche Darstellung vermittelt das Verständnis, welches eben darin besteht, dass wir die „Zusammenhänge sehen“. Daher die Wichtigkeit des Findens und Erfindens von Zwischengliedern. (Ludwig Wittgenstein)

 

Das Wissen strukturieren

So wie angewande Wissenschaft nur aufgrund der Ergebnisse der Grundlagenforschung möglich ist, so ist ein Unterricht, der sich auf den Lebenskontext – auch den zukünftigen – bezieht, nur auf der Grundlage von strukturiertem Basiswissen möglich.

Ulf von Rauchhaupt untersucht Wissensstrukturen und teilt in Orientierungs-, Raster- und Ankerwissen ein. In „Wittgensteins Klarinette“ geht er außerdem auf Medienkompetenz und Begründungskritik ein. Das Buch klärt die Gedanken.

Zur Konstruktion von Orientierungswissen in Naturwissenschaften gibt es eine ausgezeichnete Hilfe der American Association for the Advancement of Science (AAAS). In vorbildlicher Weise strukturiert sie nicht nur Inhalte der Naturwissenschaften, ihre Arbeitsweisen und Erkenntnismethoden, sondern verbindet sie auch mit der Lebenswelt des Einzelnen und beschäftigt sich mit den Auswirkungen auf die Gesellschaft. Zusätzlich bezieht die Systematisierung Kompetenzen mit ein.

AAASAAASAAASAAAS

 

Die einzelnen Pläne sind in sich vernetzt und bieten viele Ansatzpunkte zur Bildung einer Gesamtstruktur.

 

System

 

Die Struktur der Inhalte (Beispiel „Cells and Organs“) ist einmal horizontal (rot) in der Jahrgangsstufe aufeinander bezogen und darüber hinaus vertikal (blau) über die Klassenstufen vernetzt (kumulatives Lernen). Die Fachstruktur kann nun (grün) mit Schritten zum Erkenntnisgewinn (Beispiel „Models“) und (orange) mit einzuübenden und bereits erworbenen Kompetenzen (Beispiel „Communication Skills“) verbunden werden.
In diesem Fall kann man mit Recht von einer ganzheitlichen Sichtweise sprechen.

Ein Strukturplan soll nun näher untersucht werden. Da die Atlanten das Format 37,5 x 30,5 cm haben, ist ihre Darstellung im Internet etwas schwierig.

 

 

cells and organs
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Man sieht, es handelt sich um einen Strukturierungsvorschlag, der keine Inhalte festlegt (aber auch keine anbietet). Das System muss mit geeigneten Beispielen ausgefüllt werden und eine jeweils dazu passende Unterrichtsmethodik entworfen werden.

Hier steht am Anfang ein System von Prinzipien. In dem von meiner Frau und mir verfassten Buch „Prinzipien der Zellbiologie“ steht ein inhaltlich ähnliches System am Ende.
http://www.biologiebuch.eu/buch2.html

Bei den Entwürfen hat man also alle Freiheiten der Bildungsstandards – aber eben auch alle Mühen, sie mit Inhalten zu füllen.

Die ausgewählten fachlichen Unterrichtsthemen müssen komplex sein, damit vielfältige Anhaltspunkte für Verknüpfungen gegeben sind.
Die beiden folgenden Abbildungen stammen aus einem der „Fenster-Bilderbücher“ Frederic Vesters. In diesen Büchern zu sehr unterschiedlichen Themenbereichen wird, ausgehend von einer einfachen Ausgangssituation, schrittweise ein hoher Vernetzungsgrad erreicht.

Rückkopplungen     Rückkopplungen

 

Dieses Netzwerk von Inhalten wäre nun ausgezeichnet geeignet, es in einer Klassenstufe des Plans „Interpendence of Life“ als senkrecht dazu stehende Inhaltsebene einzuschieben.

 

Ebenen

Nun muss man sich „nur noch“ Gedanken zur Unterrichtsmethodik und dem Erwerb von Kompetenzen machen.

 

Zoobuch    Zoobuch

Natürlich soll der Unterricht problemlösend angelegt sein. Auch hier gibt es viele Anregungen – sogar schon für Kleinkinder. Die beiden Seiten aus dem Zoobuch von
Marion Kreimeyer-Vise und Andrea Erne zeigen eine gute Idee von vielen.
            Wer kümmert sich um die Tiere?
            Wird es Zootieren langweilig?
            Wie kommen die Tiere in den Zoo?
            Welche Technik braucht ein Zoo?

 

 

Für ältere Schüler gibt es in dem Buch von Martina Frei Anregungen.

 

 

 

Eine Fragestellung, die sich direkt aus dem Lebensbezug ergibt, führt zu einem komplexen Teilproblem einer komplexen Welt. Daraus folgt, dass der vom Lehrer konzipierte Unterrichtsablauf flexibel und anspruchsvoll sein muss. Auch von den Schülern wird eine kreativ – aktive Mitarbeit auf verschiedenen Ebenen erwartet.

Ergänzung unter: http://www.bossert-bcs.de/biologie/strukwissen/index.html

Die Entfremdung zwischen naturwissenschaftlichem Unterricht und der Lebenswelt sollte überwunden werden.

 

Einheit von Text und Abbildung

Die abgebildeten Zeitschriften und der Atlas zur Biologie mit seinen Doppelseiten gründen ihre Erfolge auf Bilder und Schemata, die Blickfänge sind und mit dem Text eine Einheit bilden.

Motivation und Verständnis werden gefördert.

 


 

grafische DarstellungTextseite

 

Gute graphische Darstellungen, die mit dem Text eine Einheit bilden, findet man in DIE ZEIT (www.zeit.de/grafik) und auf der Doppelseite im Wissenschaftsteil der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

In der Schule gibt auf diesem Gebiet einen hohen Nachholbedarf. Die Interpretation von naturwissenschaftlichen Abbildungen, die Arbeit mit Modellen und die Zusammenfassung komplexer Zusammenhänge in Schemata werden vernachlässigt.

http://www.bossert-bcs.de/biologie/methlern2/index.html

 

5. Vermittelt der Unterricht Wissen?

Nein! Der Unterricht selbst ist viel zu wenig strukturiert; man hüpft von Stunde zu Stunde. – Die Welt gibt es nur in Splittern.
Die Lehrpläne enthalten nur allgemeine Aussagen und die Lehrkräfte warten auf die Schulbuchverlage.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit um uns aus unserem „selbstzufriedenen Neo-Biedermeier“ zu verabschieden und um die Welt zu erklären und uns aus dem eigenen Narzissmus zu befreien.

Die „Informationsgesellschaft“ geht ihrem Ende zu – Information nutzen können und imstande sein, Wissen zu strukturieren sind „nur noch“ Handwerkszeug für die nächste Phase: „Ganzheitliche Gesundheit“ (Biotechnologie / Gentechnik, Genom – Medikament, leistungssteigernde Drogen, psychosoziale Gesundheit).

 

Literatur:
AAAS – Project 2061 Publications: Atlas of Science Literacy, Volum 1, Washington 2001
AAAS – Project 2061 Publications: Atlas of Science Literacy, Volum 2, Washington 2007
Adler, Mortimer J. & Van Doren, Charles: Wie man ein Buch liest, Frankfurt 2007 (amerikanische Erstauflage 1940)
Berlin, Isaiah: Der Igel und der Fuchs, Frankfurt 2009 (englische Erstauflage 1953)
Ehrenberg, Alain: Das erschöpfte Selbst, Frankfurt 2008
Frei, Martina: Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen, Frankfurt 2010
Hanebutt-Benz, Eva-Maria: Die Kunst des Lesens, Frankfurt 1985
Hildesheimer, Wolfgang: Das Ende der Fiktionen, Frankfurt 1984
Hyvernaud, Georges: Der Viehwaggon, Frankfurt 2007
Kreimeyer-Vise, Marion und Erne, Andrea: Im Zoo, Ravensburg 2009
Liessmann, Konrad Paul: Theorie der Unbildung, München 2009
Niklas Luhmann: Schriften zur Pädagogik, Frankfurt 2004
Otte, Max: Der Informationscrash, Berlin 2009
Richards, Ivor A.: How to Read a Page, Boston 1965 (Erstauflage 1942)
von Rauchhaupt, Ulf: Wittgensteins Klarinette, Berlin 2005
Sacks, Oliver: Onkel Wolfram, Hamburg 2002
Schulze, Gerhard: Krisen, Zürich 2010
Vester, Frederic: Ein Baum ist mehr als ein Baum, München 1985
Vogel, Günter und Angermann, Hartmut: Atlas zur Biologie, Stuttgart 1984

 

 

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Domäne  Bossert

10. August 2010
© B.Bossert