Will man etwas über die Zukunft wissen, kann man die Bedingungen / Abläufe der letzten Jahre auf die unmittelbare und fernere Zukunft hoch rechnen. Man schreibt den Trend fort; im einfachsten Fall, verlängert man den Kurvenzug. Die Vorhersage ist richtig, falls sich Verhalten der Menschen und Bedingungen des Systems nicht ändern - und das trifft eigentlich nie zu.

Der Bericht des Club of Rome, vorgelegt von Dennis Meadows et al. über "die Grenzen des Wachstums" (dva, Stuttgart 1972) hat mit seinen Prognosen die Welt aufgerüttelt.
Die folgende Abbildung zeigt die Computer-Simulation des Standardlaufs des Weltmodells. Es geht davon aus, dass keine größeren physikalischen, wirtschaftlichen, sozialen Veränderungen eintreten.

Es sollte verhindert werden, dass die Welt in diese Situation kommt.
Eine Computer-Simulation, die von teilweisem Recycling der Rohstoffvorräte, Bekämpfung der Umweltverschmutzung, erhöhter landwirtschaftlicher Produktion und perfekter Geburtenkontrolle ausgeht, sieht zumindest für die Zeit um 2050 etwas günstiger aus.

Die Menschheit sollte versuchen, den Standardverlauf abzuwenden und mindestens die in dem (vorerst fiktiven) Verlauf der zweiten Simulation errechneten Zustände zu erreichen.
Wie kann eine solche Veränderung der Lage erreicht werden?
Lösungen sind von Politik und Naturwissenschaften / Technik zu erwarten / zu erhoffen.
Internationale Abmachungen und auch ihre Einhaltungen und Durchsetzungen wären für eine politische Lösung nötig. Hier stimmt der minimale Konsens der Klimakonferenzen (Rio de Janeiro 1992, Berlin 1995, Kyoto 1997, Johannesburg 2002) und die Nichtumsetzung nicht sehr hoffnungsvoll.
Es bleiben dann noch die Naturwissenschaften.
Ich zitiere nach Hans Mohr: Wissenschaft und menschliche Existenz (Rombach, Freiburg 1967):
"Drei Thesen
1. Die Menschheit wird sich entschließen müssen, ihre Zukunft zu planen.
2. Falls wir auf die weitere Entwicklung des Systems Menschheit einen regulierenden Einfluß auszuüben gedenken, müssen zumindest zwei Voraussetzungen gegeben sein. Wir benötigen zuverlässiges Wissen über dieses System Menschheit und über seine Wechselwirkungen mit den übrigen Faktoren auf der Erdoberfläche, und wir benötigen
3. Lediglich die Wissenschaft ist in der Lage, zuverlässiges Wissen und ein verbindliches politisches Ethos zu gewährleisten."
Diese Thesen kann man diskutieren und falls man ihnen zustimmt oder sie als unausweichlich ansieht, konkrete Pläne zur Aufnahme des Ist-Zustandes, Aufklärung der Abhängigkeiten und Wechselwirkungen und Lösungsmöglichkeiten, die ja zum Teil schon angelaufen sind, entwerfen und zusammenstellen (= Programm der nächsten Stunden).
(Stichworte erneuerbare Energiequellen, regenerative Rohstoffe, nachhaltiges Wirtschaften, ...)
Eine Vorstellung davon, wie schwer das in der Praxis ist, vermitteln die folgenden Texte. Dabei sollte man die im Lehrplan abgebildeten Ebenen vor Augen haben.
Zitate nach G.S.: In der Falle des Kurzzeitdenkens (Wirtschaftsteil der NZZ 19.04.2003)
... Lässt man die (Fehl-) Entwicklungen der vergangenen Monate und Jahre Revue passieren und sucht nach einem gemeinsamen Nenner, stösst man fast unweigerlich auf den Verlust der langfristigen Perspektive. ... Verknüpft mit dem Kurzzeitdenken an den Börsen ist eine analoge Entwicklung in den Unternehmen. ... Statt Eigentümer-Unternehmer prägen Manager das Bild der Wirtschaft, jene in der Regel tüchtigen Treuhänder der Aktionäre, die sich zwar beileibe nicht immer, aber doch zuweilen ruchlos selbstsüchtig verhalten. Ihr berufliches Trachten und Sinnen spielt sich meist nicht in Kategorien von Jahrzehnten ab, sondern ist oft bloss auf den nächsten Quartalabschluss gerichtet. Doch wie sollten Führungskräfte den nötigen Langfristhorizont entwickeln, wenn der kurzfristige Verlauf des Aktienkurses zum entscheidenden Beurteilungskriterium wird und wenn die Halbwertszeit von Spitzenmanagern wie in den USA bei 28 Monaten liegt? ...
Oft hört man, die "Wirtschaft" sei besonders anfällig für kurzfristiges Denken und Handeln, während die Politik als Sachwalter künftiger Generationen agiere. Indessen ist wohl das Gegenteil der Fall. Vertitable Eigentümer-Unternehmer zumindest denken bei ihrem Tun und Lassen eher an ihre Enkel als erfolgreiche Politiker, die meist nur den nächsten Wahltermin im Auge haben. ...
Leider zieht sich das Kurzzeitdenken durch alle Bereiche unsere Lebens, durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, ja selbst durch das Private. ...
Das Verharren im Kurzzeitdenken ... führt nicht nur zu einem ständigen Vorsichherschieben der Probleme, es untergräbt auch die mentale Basis des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Zitate nach Thomas A. Becker: Gezeitenstrom des Wissens (Wirtschaftsteil FAZ 24.02.2003)
Es werden die Vorzüge des Modells einer "Knowledge Engine" gegenüber der herkömmlichen Organisation (einer Firma) vorgestellt.
"Das (alte - von mir ergänzt) Modell ... fragt aber nicht, wie die Organisation die Umwelt konstruiert und transformiert und wie ihre Reduktionen von Umweltkomplexität auf die Umwelt zurückwirken. Die Organisation verfertigt ... ihre Umwelt, indem sie handelt, und sieht erst in der Rückschau, was sie gemacht hat. ...
Ein Irrtum ist es ..., Wissen und Information als
Wissen ist eine
Das organisatorisch zu lösende Problem ist nicht Speicherung von Daten, sondern die Sicherstellung der Prüfoperation. ...
Hinzu kommen muss
Das Entscheidungsverfahren verläuft also weiterhin retrospektiv: Um zu erkennen, was man tun kann, muss man etwas getan haben."
Stimmen die Zitate, die den anzustrebenden Idealfall beschreiben, ganz zuversichtlich, so zeigt das letzte eben den Unterschied von Theorie und Praxis.
(Ökonomie gegen Ökologie - Ökonomie und Ökologie)
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März 2003
Copyright © by Brigitte Bossert